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Anforderungen der Umweltkartierung an die Holozänforschung

Jäger, Klaus-Dieter

Kurzfassung

Zusammenfassung. In zunehmendem Maße werden komplexe Umweltkartierungen zu einem wesentlichen Hilfsmittel umweltgerechter Territorialplanung. Deren Erfordernissen entspricht in besonderem Maße die komplexe Kartierung, Kennzeichnung und Typisierung naturräumlicher Einheiten. Sie soll die räumliche Differenzierung von Leistungsvermögen und Belastbarkeit der natürlichen Flächenausstattung für Belange der territorialen Flächennutzung in der Karte zum Ausdruck bringen und zugleich Aussagen über natürlich vorgegebene sowie über anthropogen auslösbare naturräumliche Entwicklungstendenzen der auskartierten Flächen zulassen. Während die geforderte vielseitige Praxisrelevanz der erfaßten naturräumlichen Einheiten durch Ableitung der Abgrenzungskriterien aus sog. Anforderungsbildern für die partiellen Naturraumpotentiale (im Sinne von HAASE 1973) erreicht werden kann, begründen die Anforderungen an das prognostische Aussagevermögen der Karten darüber hinaus die Notwendigkeit einer landschaftsgenetisch unterbauten Kartierungskonzeption, die sich vor allem auf die holozäne Warmzeit beziehen muß: Flächen mit gleichartiger Landschaftsentwicklung im Holozän lassen einerseits auch in naher Zukunft übereinstimmende naturräumliche Entwicklungstendenzen erwarten und treten andererseits vielfach in regelhaften Vergesellschaftungen mit Flächen von abweichender natürlicher Entwicklungsdynamik auf. Die notwendige landschaftsgeschichtliche Vertiefung naturräumlicher Einheiten für die Umweltkartierung muß somit von der teils stratigraphisch, teils mit Hilfe pedologischer Feststellungen erfaßbaren faziellen Differenzierung der regionalen Landschaftsentwicklung im Holozän ausgehen.

Abstract

Increasingly, complex environmental maps are becoming aids for environmentally directed regional planning. The requirements for this planning are met primarily by complex mapping and characterization of environmental units. The maps should show the regional variations in the ability of the environment to bear the loads resulting from the needs for regional use. Information should be given about the natural and anthropogene trends of environmental development of the mapped area. The extensive and pragmatic relevance required of the environmental units mapped can be achieved by using the boundary criteria derived from models of needs for the partial potentials of the natural environment (in the sense of HAASE 1973). However, the necessity that the maps be useful for prediction requires that the mapping concept be based on the genesis of the landscape. This genesis is closely related to the effects of the warm period during the Holocene. The trends of future development of areas whose landscapes evolved similarly during the Holocene will probably remain similar. Also, through