Original paper

Zur Geschichte der Bodenerosion in den mitteleuropäischen Lößlandschaften während des Holozäns

Lozek, Vojen

Kurzfassung

Zusammenfassung. Von dem Bau und der Ausbildung der Dellenfüllungen und Ablagerungsfolgen am Hangfuß können die Abtragungsvorgänge während der Nacheiszeit abgeleitet werden. Die besten Bedingungen dazu bieten einige Profile in den Lößlandschaften, die folgende Gesetzmäßigkeiten erkennen lassen: Der Bodenabtrag setzt in den Altsiedlungslandschaften Mitteleuropas nach dem Einzug der neolithischen Bauern im 5. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung ein. Bis zu Beginn der späten Bronzezeit handelt es sich nur um mäßig starke Abtragungsvorgänge, die offenbar nur kleinere Flächen angreifen. Während der späten Bronzezeit nimmt die Intensität der Abtragung sehr beträchtlich zu und findet ihren Ausdruck nicht nur in der starken Bodenerosion in niederen Lagen, sondern auch in Schuttbewegungen in höheren, stärker gegliederten Gebieten. Später bilden sich stellenweise sekundäre Böden, die auf zeitweise Phasen der Erosionsruhe hindeuten. Für die historische Zeit ist eine Austrocknung bezeichnend, wobei der Abtrag einen zunehmenden Trend aufweist. Entsprechende Verhältnisse sind auch für die Gegenwart charakteristisch. Die allgemein vorherrschende Abtragung und Materialbewegung während des Mittel- und Jungholozäns hemmt die postglaziale Bodenausbildung und führt in altbesiedelten Gebieten zu Vorgängen, die als retrograde Bodenentwicklung bezeichnet werden können.

Abstract

The history of Holocene erosion in Central Europe can be interpreted from the form and nature of valley fill and the colluvial sequences below topographic highs. Particularly suited for interpretation are several sections in the loess area which all indicate the following. Soil erosion began in the early-settled areas of central Europe after the immigration of the Neolithic farmers in the fifth millenium B. C. Until the beginning of the late Bronze Age, erosion was moderate and apparently affected only small areas. During the late Bronze Age, the intensity of erosion increased considerably and affected not only soil in low areas but also led to transport of detritus in higher areas with more pronounced topography. Later, secondary soils formed locally indicating temporary phases of little erosion. The historic period was more dry and erosion has increased. Similar conditions continue today. The general predominance of erosion and detrital transport during the middle and late Holocene has hindered the postglacial formation of soil and led, in the early-settled areas, to processes that can be called retrograde soil development.