Original paper

Die Schmelzmikrostruktur in den Incisiven der hamsterartigen Nagetiere und anderer Myomorpha (Rodentia,Mammalia)

[The incisor enamel microstructure of hamsters and other myomorph rodents (Rodentia,Mammalia)]

Kalthoff, Daniela C.

Kurzfassung

In dieser umfassenden,rasterelektronenoptischen Studie wird die Mikrostruktur des Incisivenzahnschmelzes von rund 200 Arten aus 130 fossilen und rezenten Gattungen der Myomorpha (sensu McKenna & Bell 1997 ) vergleichend untersucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den eurasischen hamsterartigen Nagetieren und den mit ihnen verwandten Gruppen,die fur die biostratigraphische Gliederung des kontinentalen Tertiärs in Europa von großer Bedeutung sind. Bereits die ersten echten Hamster aus dem Mitteleozän Chinas zeigen die fur myomorphe Nagetiere typischen uniserialen Hunter-Schreger-Bänder. Die ab dem Mitteloligozän auch in Europa verbreiteten Taxa zeichnen sich durch charakteristische Schmelzstrukturen aus, die sich deutlich von denjenigen bei stratigraphisch jungeren Gruppen unterscheiden.Ab dem oberen Miozän bzw.dem Pliozän wird jedoch deutlich,daß die erfolgreichen und rezent weit verbreiteten Großgruppen innerhalb der Myomorpha (Arvicolinae, Murinae, Gerbillinae, Sigmodontinae) zwar apomorphe,aber weitgehend einheitliche Mikrostrukturen zeigen. Mit Hilfe der großen Formenfülle an fortschrittlichen Schmelzstrukturen ist es nun erstmals auf einer breiten Materialgrundlage möglich,verwandtschaftlichen Beziehungen und taxonomische Fragestellungen innerhalb fossiler und rezenter Myomorpha auch anhand ihrer Schneidezähne zu beurteilen. Dabei werden die vielgestaltige Skulpturierung der Schmelzoberflache und die Querschnittsform der Incisiven mit einbezogen. Mittels der hier nachgewiesenen, sehr diversen Mikrostrukturen konnen neue Vorstellungen beispielsweise zur Orientierung der HSB, zur Bedeutung der Startzone und des inneren Radialschmelzes oder zur Entwicklung einer Umbiegung aufgezeigt werden.

Abstract

This paper provides an extensive SEM survey of incisor enamel microstructure of myomorph rodents. Among the approximately 200 species from 130 fossil and recent genera, Eurasian hamster like rodents and related groups are represented best because they are important for biostratigraphic zonation in the continental Tertiary of Europe. The first true hamsters from the middle Eocene of China already show the uniserial Hunter-Schreger-bands typical for myomorph rodents. From middle Oligocene times on, hamsters are also present in European faunas. They are distinguished by characteristic enamel structures which differ considerably from those of stratigraphically younger groups. At the end of the Miocene and in the Pliocene, it can be observed that the extremely successful and widespread myomorph groups (Arvicolinae, Murinae, Gerbillinae, Sigmodontinae) show derived but rather uniform enamel microstructures. From a systematic and phylogenetic point of view, the great variety of apomorphic schmelzmusters offers for the first time the chance to characterise the suborder Myomorpha as well as many subfamilies with their enamel structures, enamel surface ornamentation, and/or incisor cross-section. These features led to new ideas concerning the development and evolution of some enamel structures such as change of orientation in the HSB, meaning of the starting zone and the inner radial enamel and the development of the central syncline.

Keywords

RodentiaMyomorphaIncisivenZahnschmelzmikrostrukturenKanozoikum