Editorial

Heinz Ellenberg als Anreger in Forstwissenschaft und Forstwirtschaft

Jahn, Gisela

Phytocoenologia Band 23 Heft 1-4 (1993), p. 3 - 9

21 references

published: Dec 15, 1993

DOI: 10.1127/phyto/23/1993/3

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Kurzfassung

Seit etwa sieben Jahrzehnten zeigt sich in der Forstwirtschaft eine immer breitere Kreise erfassende Entwicklung mit dem Ziel einer standortsangepaßten, die natürlichen Wuchskräfte ausnutzenden, risikomindernden Baumartenwahl und Waldbehandlung. Sie löste aufgrund schlechter Erfahrungen mit großflächig durchgeführtem, nicht standortsangepaßtem Nadelbaumanbau die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts vertretene und weit verbreitete Auffassung ab, daß der Gewinnmaximierung - und das hieß: Fichtenanbau - Vorrang gebühre. In unserem Jahrhundert unterbrachen zwei Weltkriege die Entwicklung zur naturnäheren Forstwirtschaft, da infolge Übernutzungen, riesiger Kahlflächen und Mangel an Arbeitskräften, Saat- und Pflanzgut und Zeit große Flächen wieder mit standortsfremden Nadelbäumen aufgeforstet wurden, zum Teil werden mußten. Aber seit den zwanziger Jahren gewann die Gegenrichtung an Kraft, und der berühmte "Waldbau-Erlaß" von 1938 schrieb eine enge Verbindung von Standort, Vegetation und Waldbehandlung in der Planung vor. Doch erst in den letzten vier bis fünf Jahrzehnten konnte sich die neue Anschauungsweise in ruhigem Fortschritt bis in die Praxis hinein durchsetzen. In einigen "Musterbetrieben", in denen seit Jahrzehnten "naturgemäß" gewirtschaftet worden war, konnte der Erfolg solcher Bemühungen vor Augen geführt werden. Es muß dabei bedacht werden, daß es der geduldigen und kontinuierlichen Arbeit oft mehrerer Generationen von Forstleuten bedarf, ehe der Wald in dem gewünschten Sinne (um)gestaltet ist. Unterstützt oder überhaupt erst ermöglicht wurde die Entwicklung durch das zunehmende Wissen um die Zusammenhänge in dem vielseitigen Beziehungsgefüge Wald, in diesem "Ökosystem", durch Standorts- und Vegetationskartierungen, durch Untersuchungen über die Standortsansprüche und das Wuchsverhalten der Baumarten im Reinbestand und in Mischung und über ihre Gefährdung aufverschiedenen Böden, in unterschiedlichen Höhenstufen und Klimabereichen. Zu diesem Wissen, zu dieser Denkweise und zu manchen Untersuchungsansätzen hat Heinz Ellenberg direkt oder indirekt entscheidende Anstöße gegeben. Wo Dinge an sich bekannt waren, hat er oft durch seine klaren Formulierungen zum besseren Verständnis der Ursachen beigetragen.

Keywords

ForstwirtschaftEllenbergÖkosystem