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Wirkungen einiger Landschaftspflegeverfahren auf die Pflanzenbestände und Möglichkeiten der Bestandeslenkung durch Schafweide im Bereich von Grünlandbrachflächen

[Nature-management in waste grasslands]

Knauer, Norbert; Gerth, Holger

Phytocoenologia Band 7 Heft 1-4 (1980), p. 218 - 236

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published: Mar 31, 1980

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ArtNo. ESP024000700030, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Brach gefallene Grünlandflächen aus der Gruppe der Kohldistelwiesen zeichneten sich in der Niederung Stapelholm in Schleswig-Holstein 5 bis 10 Jahre nach Beendigung der landwirtschaftlichen Nutzung immer noch durch einen artenarmen Pflanzenbestand aus, und vielerorts hatten sich ein oder zwei Arten zur Dominanz entwickelt. Zur Änderung der Vegetationszusammensetzung wurden verschiedene Landschaftspflegeverfahren eingesetzt und deren Wirksamkeit auf die Nettoprimärproduktion und die Vegetationszusammensetzung untersucht. Ein Schwerpunkt dieser Untersuchungen war die Auswirkung der Schafweide auf die Vegetation. Die verschiedenen Brachflächen unterschieden sich in Verlauf und Höhe der Nettoprimärproduktion, wobei zwischen Standort und Jahreswitterung Wechselwirkungen bestanden. Die Eingriffe in die Produktion durch Pflegeschnitt mit Verbleib der abgeschnittenen Pflanzenmasse auf der Fläche, Mähnutzung und Entfernung der abgemähten Pflanzenmasse von der Fläche und Schafweide wirkten überwiegend produktionssteigernd. Das Abbrennen der Sproßmasse wirkte nur in einem Röhricht-ähnlichen Bestand produktionssteigernd, während auf den brach gefallenen Kohldistelwiesen die Nettoprimärproduktion durch das Abbrennen der alten Sproßmasse gehemmt wurde. Urtica dioica L., eine Besonderheit von brach gefallenen Kohldistelwiesen, verhielt sich im Verlauf der Nettoprimärproduktion ähnlich wie die Pflanzen der Mischbestände. Die Wirkung der Schafbeweidung hängt von der Beweidungsintensität und der Dauer der Beweidung ab. Als Ursache für die Wirkung der Schafweide auf die Nettoprimärproduktion stellte sich die Kombination von Tritt, Biß und Schafkot heraus. Tritt allein wirkte weniger auf die Nettoprimärproduktion als Tritt plus Kot. Die Wirkung der verschiedenen Pflegemaßnahmen auf die Vegetationszusammensetzung ist bei Betrachtung kurzer Zeitabstände (zwei Jahre) gering, viele Pflanzen werden selbst bei intensiver Schafbeweidung erst nach längerer Beweidungsdauer befressen. Fleischschafe und Heidschnucken verhielten sich in der Landschaftspflege unterschiedlich, wobei die Gehölzpflanzen von Heidschnucken verhältnismäßig früh verbissen, von Fleischschafen dagegen sehr lange gemieden werden. Für eine Landschaftspflege mit dem Ziel der Wiederherstellung verdrängter Pflanzengesellschaften aus der Gruppe der extensiv genutzten Feuchtwiesen eignet sich eine Kombination von später Mahd und gezielter kurzfristiger Schafweide, weil damit die Lebensbedürfnisse seltener Pflanzenarten am besten befriedigt werden können.

Abstract

Fallow lying grassland areas of the meadows type Cirsio-Polygonetum often develop into populations with relative few species. Following nature-managements were used in experiments to further populations including more species: nature-management by mechanical mowing without export of the mowed grass, so that there is no change in the circulation of the minerals; one cutting in the year with export of the mowed grass, so that a fixed loss of nutrient is given; the effect on the pasture by bite and tread of grazing sheep and a return of the minerals by urine and faecal matter; burning over of shoots to prevent from the formation of surface humus. The various fallow-lands differed from each other by the height and the development of the netto-primaryproduction, and there existed an interaction between the location and the annual weather. The nature-managements mechanical mowing, cutting and grazing sheep mostly increased the production, the burning over an the other hand decreased, only in a reed-like population increased the production. On places with a good soil aeration Urtica dioica developed to an one-crop-system and their netto-primaryproduction showed the same development as Cirsio-Polygonetum. The grazing of sheep had an effect by tread, bite and faecal matters; the tread alone had less influence than the combination of tread and faecal matters. Considering the short interval (2 years) the effect of different nature-managements on the composition of the vegetation was small. But the direction of development could be discerned already by the different preference of plants by the sheep. A different selection of fodder plants took place by different sheep-races (Fleischschafe and Heidschnucken). The »Heidschnucken« early destroyed the bushy plants while the »Fleischschafe« avoided them for a long time. For a nature-management which aims at the restoration of a destroyed plant association on extensive used wet meadows a combination of late mowing and an exactly timed short period of grazing by sheep is useful, because the necessaries of rare plant species can be well satisfied.

Keywords

humusbushysheepHeidschnuckenvegetationgrassland