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Anzeichen für ein Paläobeben am Viersener Sprung bei Süchteln zu Beginn der Weichsel-Kaltzeit

Schollmayer, Georg; Skupin Klaus,

Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften Heft 73 (2011), p. 131 - 141

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published: Feb 17, 2011

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Kurzfassung

Die Niederrheinische Bucht ist neben dem Oberrheingraben mit dem Hohenzollerngraben und dem Vogtland gegenwärtig das aktivste Erdbebengebiet in Nordwestdeutschland. Als tektonisches Senkungsgebiet ist die Niederrheinische Bucht Bestandteil einer interkontinentalen Schwächezone, die sich zwischen der Mittel - und Westeuropäischen Kontinentalplatte vom Mittelmeer durch das Rhône-, Saone-, Oberrheintal sowie die niederrheinisch-westniederländische Grabenzone bis in die südliche Nordsee erstreckt. Innerhalb dieser Grabenzone wird das Senkungsgebiet der Niederrheinischen Bucht von einer Reihe NW-SE-streichender Störungen durchzogen, an denen der Untergrund in zahlreiche Schollen (Horste und Gräben) zerlegt ist, die sich noch heute relativ zueinander bewegen und in deren Begleitung häufig Erdbeben ausgelöst werden (Pelzing 2008). Zahl und Stärke der Beben sind durch die modernen instrumentellen Aufzeichnungen insbesondere für die jüngere Zeit weitgehend bekannt, doch gehen entsprechende Beobachtungen teilweise bis in das 9. Jahrhundert zurück (Reicherter 2008). Sie sind heute in verschiedenen Erdbebenkatalogen nicht nur für die Niederrheinische Bucht (Kronsbein 2008), sondern für ganz Deutschland erfasst (Sieberg 1940). Nach den vorliegenden Erfahrungen liegt der Erdbebenherd meist in Tiefen von 5 bis 25 km innerhalb der festen Erdkruste (Lehmann 2010). Die Bewegungen entlang dieser Schwächezone gehen bis in die beginnende Jura-Zeit zurück, wobei durch verschiedene tektonische Vorgänge (Kollision der afrikanischen mit der eurasischen Platte, Öffnung des Nordatlantik) die seit Ausgang des Karbons bestehenden Störungen reaktiviert wurden und sich die heutige Struktureinheit der Niederrheinischen Bucht etwa ab der Wende von der Kreidezeit zum Tertiär herausbildete (Ziegler1978, 1990, 1992, Haanstra 1963, Heybroek 1974, van Adrichem Boogaert & Kouwe 1993-1997, Gras & Geluk 1999, Cloetingh et al. 2006).