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Erdbeben am nördlichen Niederrhein – eine Bestandsaufnahme

Lehmann, Klaus

Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften Heft 73 (2011), p. 83 - 93

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published: Feb 17, 2011

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Kurzfassung

Die Erdbebentätigkeit in Deutschlands kann im Wesentlichen auf die Regionen des Rheintals, die Schwäbische Alb, das Voralpenland sowie das Vogtland eingegrenzt werden. Anzahl und Stärke der Ereignisse, die entlang des Rheintals auftreten, zeichnen Niederrheinische Bucht, Mittelrhein und Oberrheintalgraben als die am stärksten durch Erdbeben gefährdeten Gebiete aus (z. B. Pelzing 2008a). Diese Region folgt einer Schwächezone, die von der Nordsee durch das gesamte Rheintal verläuft und sich vermutlich über das Rhonetal bis ins Mittelmeer fortsetzt. Die Bildung dieser Schwächezone kann verschiedenen geodynamischen Modellen zufolge als mittelbare Folge der Plattentektonik verstanden werden. Die bestimmenden Vorgänge werden dabei gesteuert durch die relativen Bewegungen der Eurasischen und der Afrikanischen Kontinentalplatten im Süden, regional vermittelt durch die Auffaltung der Alpen, und vermutlich beeinflusst durch den Mittelatlantischen Rückens im Nordwesten. Zusätzlich trägt die Hebung des Fennoskandischen Schildes als isostatische Ausgleichsbewegung nach dem Abschmelzen des eiszeitlichen Gletschereises zur Ausprägung des tektonischen Spannungsfeldes bei (z. B. Campbell & Nothnagel 2010). Als Folge der plattentektonischen Prozesse kam es entlang des Rheinverlaufs zu einer Extension der Erdkruste in annähernd südwest-nordöstlicher Richtung, die die tektonische Struktur in der Niederrheinischen Bucht entscheidend prägt (Klostermann 1994). Bei der Absenkung der Niederrheinischen Bucht relativ zum Rheinischen Schiefergebirge erfolgte eine Untergliederung des Untergrunds in zahlreiche Großschollen und untergeordnete Einheiten. Die Bildung dieses Systems in seiner heutigen Charakteristik fand im späten Oligozän statt und lässt sich auf bereits im jüngeren Paläozoikum angelegte Strukturen zurückverfolgen. Die auch noch rezent aktiven Verwerfungen bilden damit ein Muster von tief reichenden nordwestsüdost -streichenden Flächen (z. B. Wrede & Hilden 1988, Ziegler 1994, Reicherter et al. 2008).