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Erdgeschichtlicher Überblick

Grimm, Kirsten I.; Hottenrott, Martin

Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften Heft 75 (2011), p. 31 - 41

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published: Oct 30, 2011

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Kurzfassung

Das Paläozän (teilweise auch Paleozän genannt; von griech. pal (aiós) = alt und kain (ós) = neu) ist die älteste Epoche des Tertiärs und umfasst den Zeitabschnitt vor ca. 65 bis 55, 8 Ma. Eingeführt wurde der Begriff erst 1874 von W. P. Schimper, der aufgrund charakteristischer Fossilvergesellschaftungen von Landpflanzen im Pariser Becken das Paläozän vom Eozän abtrennte. Die korrekte deutsche Übersetzung des „paléocène“ von Schimper dürfte ehestens „Paläozän“ sein, nicht „Paleozän“ (u. a. Staesche 1963). Das Paläozän wird international in ein Unterpaläozän (Danian) und ein Oberpaläozän (Thanetian) zweigeteilt, in Deutschland und angrenzenden Gebieten wird eine Dreigliederung mit den Stufen Danium, Seelandium und Thanetium verwendet. Die Typuslokalitäten der Stufen liegen in Dänemark (Dänisches Teilbecken) sowie auf der Insel Thanet in Kent (Londoner Becken). Am Ende der Kreidezeit ist es zu einem drastischen Aussterbeereignis und zu einem Faunenwechsel gekommen, zurückgeführt wird dies heute auf den Einschlag (Impakt) eines extraterrestrischen Himmelskörpers. Das globale Ereignis hat in den Kreide/Tertiär-Grenzprofilen weit verbreitet eine Iridium-Anomalie hinterlassen, welche das Liegende der paläozänen Ablagerungen bildet (Alvarez et al. 1980). Das nächstgelegene gut studierbare Kreide/Tertiär-Grenzprofil im weiteren Bearbeitungsbereich dieses Bandes liegt bei Maastricht in den südöstlichen Niederlanden (Smit & Brinkhuis 1996). NachderRegressionamEndederKreidezeitkamesim Unterpaläozän zu einer neuerlichen Transgression in das Pariser Becken und in die mitteleuropäische Senke. Über die Dnepr-Donezk-Senke und das Karpaten-Becken bestand Verbindung mit dem Tethys-Meer bis in den Indischen Ozean. London-Brabant Massiv und Thule Schwelle trennten das nordwestdeutsche Tertiärbecken vom Atlantik, die Verbindung nach Norden war hingegen offen. Nach einer regressiven Phase im jüngeren Unterpaläozän ist es im Oberpaläozän zu einerweiteren, stärkeren Meeresüberflutung gekommen. Diese große Transgression im Oberpaläozän führte auch zu einem Sedimentwechsel in Nordwesteuropa, von kalkigen zu klastischen Ablagerungen. Dieser Wechsel wird mit einem Absinken der Temperatur des Nordseewassers durch den Zufluss arktischer Wässer aus dem Nordatlantik begründet, verstärkte Schüttungen von Klastika haben dabei sicherlich auch eine Rolle gespielt. Das oberste Paläozän zeigt durch lagunäre und kontinentale Sedimente wiederum eine neuerlicheRegressionan (Lotsch1981, Gramann1988, Gürs 2005). Am Ende des Paläozäns ist es zu einem plötzlichen Temperaturanstieg gekommen, der durch die Freisetzung von Kohlenstoff bzw. Kohlendioxid ausgelöst worden sein soll.

Keywords

paleocenepaläonzäntertiarystratigraphygermany