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Das Studium der Geologie in der Bundesrepublik Deutschland und in Westberlin mit Vergleichen aus anderen Ländern

Pilger, Andreas

Kurzfassung

Verfasser dieses Aufsatzes hielt auf der 115. Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Münster am 2. September 1963 einen Vortrag über das Studium der Geologie in der Bundesrepublik Deutschland einschließlich Westberlins. In etwas erweiterter Form wird dieser Vortrag hier vorgelegt, wobei einige der dringenden Fragen besprochen werden, andere, sicher ebenfalls wichtige, nur kurz berührt werden können oder sogar zurückgestellt werden müssen. Sinn des Vortrages war es, das Studium der Geologie in den Gesamtkomplex des heutigen Studiums an den wissenschaftlichen Hochschulen der Bundesrepublik und Westberlins hineinzustellen und Vergleiche mit dem Ausland zu ziehen. Zugleich sollte der heutige Stand des Geologiestudiums mit seinen aus der Zeit geborenen Problemen beleuchtet werden, wobei gefragt wurde, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich andeuten oder zu fördern sind. Nach wie vor gilt das Prinzip der Verbindung von Lehre und Forschung auch für das Geologie-Studium als eine der wesentlichen Grundlagen. Der Student, der Diplomand, der Doktorand, der Assistent finden ihre wissenschaftliche Bildung letzthin in dem wahren Lehrer-Schüler-Verhältnis und durch die Teilnahme an der wissenschaftlichen Forschung des Professors. Dieses Prinzip sollte auch in der Zukunft bewahrt bleiben. Die großen und stetig wachsenden Zahlen der Studenten, die an den 31 wissenschaftlichen Hochschulen der Bundesrepublik und Westberlins kaum noch zu übersehen sind, bilden einen der Hauptgründe für die Hochschulkrise. Auch in der Geologie geben die wachsenden Studentenzahlen zu Besorgnis Anlaß. Es erhebt sich die Frage, ob man die Zahlen durch Beschränkung der Zulassung an den einzelnen Instituten scharf herunterdrücken soll. Demgegenüber ist geltend zu machen, daß auch einem breiteren Kreis begabter und interessierter Studenten die Möglichkeit zum geologischen Studium gegeben werden muß. Daraus ergibt sich dann aber die Konsequenz, für diesen breiteren Nachwuchs auch Berufsmöglichkeiten zu schaffen. Das Studium der Ausländer, besonders derjenigen aus den sog. Entwicklungsländern, in der Bundesrepublik und Westberlin wird grundsätzlich positiv angesehen. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, auf geistiger Ebene Entwicklungshilfe zu leisten als die, den Ausländer in den Kreis der Schüler aufzunehmen und ihn nach dem erfolgreichen Studium als einen Freund für das Leben in seine Heimat zu entlassen. Gerade die Geologie bietet hierfür beste Voraussetzungen. Aber für das Studium ist nach verschiedenen Gesichtspunkten eine scharfe Auslese zu treffen, um beide Seiten vor Enttäuschungen zu bewahren. Die Dauer des Studiums steigt, auch im Fach Geologie, laufend an. Sicher verlangt die Vermittlung einer breiten naturwissenschaftlichen Grundlage und solider geologischer Kenntnisse ihre Zeit, die wohl über der für die Studiendauer offiziell angegebenen liegt. Es ist daher notwendig, einen angemessenen Zeitplan zu entwickeln, vor allem aber das weitere Ansteigen zu verhindern. Von gewissen Variationen abgesehen, läuft das Studium der Geologie überall in etwa gleichartig ab, und Prüfungsergebnisse werden gegenseitig anerkannt. Es gibt in Deutschland neben dem "Grundlagestudium" kein geologisches Spezialstudium. Dabei liegt aber kein allgemein gültiger Studien- und Prüfungsplan vor. Verfasser ist der Meinung, daß sich im Fach Geologie mehr als ein Weg zum Studienabschluß entwickeln sollte. Dies müßte geschehen, um das Geologie-Studium zu verbreitern und stärkere Verbindungen zu Nachbarwissenschaften zu schaffen. Ein technischer Geologe sollte von Beginn seines Studiums an bereits einen anderen Studienweg beschreiten als ein mehr wissenschaftlich eingestellter. Gleiches ist in anderen Ländern bereits verwirklicht.

Keywords

Bundesrepublik DeutschlandGeologieGeologie-Studium