Original paper

Historische Friedhöfe als Untersuchungsobjekte zur Verwendung, Verwitterung und Restaurierung von Denkmalgesteinen

Grimm, Wolf-Dieter

Kurzfassung

Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich auf den historischen Friedhöfen Grabdenkmäler aus verschiedenen Gesteinsarten angesammelt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Spektrum weitgehend auf Weichgesteine aus der engeren Umgebung beschränkt. Mit der industriellen Revolution wurden dann neue Verkehrswege erschlossen und verbesserte Abbau- und Bearbeitungsmöglichkeiten eröffnet; dadurch wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend Gesteine aus der weiteren Umgebung und schließlich aus aller Welt importiert und auch die Hartgesteine in das Spektrum der Gesteinsarten einbezogen. Durch statistische Auszählungen ist es möglich, den örtlichen und zeitlichen Wechsel im Gesteinsbestand der historischen Friedhöfe zu erfassen.Die verschiedenen Gesteine waren auf den Friedhöfen regional variierenden Klimaverhältnissen und lokal unterschiedlichen Milieubedingungen ausgesetzt, so dass die Gesteine in wechselndem Maße den physikalischen, chemischen und biogenen Einwirkungen der Verwitterung unterlagen. So können die verschiedensten Auswirkungen der natürlichen (geogenen) und der durch den Menschen verstärkten (anthropogenen) Verwitterung auf den Friedhöfen studiert werden. Infolge der Vielzahl der Objekte sind auch hier statistische Untersuchungen möglich, um die im Laufe der Zeit generell zunehmenden, aber in Abhängigkeit von der Gesteinsart und den örtlichen Milieus wechselnden Verwitterungserscheinungen in Maß und Zahl zu kennzeichnen und um den unterschiedlichen Verwitterungsangriff an den verschiedenen Seiten der Denkmäler zu vergleichen.Die Denkmalensembles der historischen Friedhöfe unterliegen den Auflagen des Denkmalschutzes. Deshalb werden hier in besonderem Umfang Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Auswirkungen der Verwitterung aufzuhalten und die Schäden zu beseitigen und um dadurch nicht nur einzelne besonders wertvolle Denkmäler zu bewahren, sondern auch das gesamte Denkmalensemble zu erhalten. Dadurch ergibt sich auf historischen Friedhöfen die Möglichkeit, die Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit solcher Maßnahmen bei verschiedenen Gesteinsarten und unter unterschiedlichen Milieubedingungen zu überprüfen, um unwirksame Eingriffe oder gar schädliche Reaktionen zu vermeiden.

Abstract

During centuries, tombstones made of various rock materials were accumulated on a number of historical cemeteries. Until the middle of the 19th century, the variety of materials was mainly restricted to soft rocks from the vicinity. However, with the awakening of the "industrial revolution", new possibilities of transportation evolved and improved methods of quarrying and treatment of stones were developed. Thus, since the middle of the 19th century more and more stones were imported from remote sources and finally from all over the world. In addition, hard rocks were included. The local and temporal changes of the inventory of stones used in the historical cemeteries can be evaluated by statistical methods.On cemeteries the different stone types were exposed to varying local and regional environments. Therefore stones were exposed to changes in the physical, chemical, and biogenic influences of weathering, so that the effects of the natural (geogenic) and of the man-made (anthropogenic) weathering can be investigated on cemeteries. Due to a large number of tomb objects, it is possible to investigate statistically the frequency and the degree of the phenomenons of weathering as they become worse in time depending on the local environments and on specific properties of the rock materials. Further it is possible to compare the relationship between weathering attacks at the different sites of the monuments.Not only the most important monuments on the historical cemeteries, but the whole entireties of tombstones are listed as subjects of monument protection. Therefore considerable efforts are spent on restoration and preservation in order to reduce weathering sensitivity and to repair the damages. The objective of these measures is not only to save particularly precious monuments but to preserve the whole entirety of tombstones. Therefore historical cemeteries are an excellent study object to investigate the efficiency and the durability of conservation and restoration efforts on various rock materials under various environmental conditions and to avoid such treatments which have no or even adverse effects.

Keywords

historische friedhöfenaturwerksteinephysikalische verwitterungchemische verwitterungbiogene verwitterungrestaurierung von denkmalgesteinendauerhaftigkeit von konservierungsmaßnahmenhistorical cemeteriesbuilding stonesphysical weathering