Original paper

Inlandvereisungen in Nordeuropa während des Neogens? Continental glaciations in Northern Europe during the Neogene period?

Ludwig, Alfred O.

Abstract

German Die neogene, litho- und biofaziell sehr wechselhafte Sedimentfüllung in der Zentraleuropäischen Subsidenzzone (ZES) und benachbarten Gebieten enthält ein breites Spektrum an Klimasignalen mit Hinweisen auf kalte Perioden und mit Belegen für häufige Trans- und Regressionen. Prägend dafür waren außer der regionalen bis globalen tektonischen Entwicklung häufige und rasche Klimaschwankungen. Hatten diese in Nordeuropa Inlandvereisungen zur Folge? Wegen der unterschiedlichen Dauer der Zyklizitäten bzw. Periodizitäten der endo- wie exogenen Abläufe samt ihrer eu- und isostatischen Folgeprozesse und wegen der zeitlichen Versätze ihrer Abläufe gegeneinander liefern die Trans- und Regressionen in der ZES mit ihren Auswirkungen auf die Sedimentation weder ein unmittelbares Abbild der tektonischen Abläufe noch der Klimaschwankungen. Sie sind das Ergebnis der komplexen Verflechtungen beider Prozessgruppen, besonders ihrer iso- und eustatischen Effekte, überlagert von extraterrestrischen Einwirkungen. Auch die Korrelationen von Abkühlungen mit eustatischen Tiefständen, die mit verstärkten siliziklastischen Einträgen auf die Schelfe weltweit einhergehen, lassen keine genauere Abschätzung der endogenen und exogenen Anteile an den geologischen Gesamteffekten, besonders an den Trans- und Regressionen zu. In Verbindung mit den überregionalen bis globalen Daten und Abläufen rechtfertigen die litho- und biofaziellen Befunde aus der ZES und dem Ostseegebiet den Ansatz von häufigen Klimaschwankungen wechselnder Dauer und Intensitäten während des Neogens. Wahrscheinlich hatten einzelne davon schon ab dem frühen Miozän Inlandvereisungen in Nordeuropa zur Folge, allerdings in geringeren Ausmaßen als die Inlandvereisungen während der pleistozänen Kälteperioden. English During the Neogene period, the Central European Subsidence Zone (ZES) was filled with strongly varying bioand lithofacial sediments containing a broad range of climate signals and evidences of numerous trans- and regression events. Apart from the regional and global tectonic evolution, rapid and frequent short-termed climatic fluctuations including cold periods controlled the sedimentation in the subsidence zone. Based on this, the question arises whether the former cold periods have also accumulated inland ice sheets in northern Europe. Transgressions and regressions within the ZES do not provide a direct reflection neither for tectonic processes nor for climate changes. Rather, they are results of a complex interaction of both processes. The causes of this are varying cyclicities and periodicities of the endogenous and exogenous processes and a temporal delay between both of them. These processes are superimposed by extraterrestrial influences. The correlations between cool periods and eustatic lowstands and between increased globally siliciclastic supply to the shelf regions do not allow to estimate climatic impact on transgression and regression. Considering the superregional and global data, the litho- and biofacial field observations from the ZES and the Baltic Sea region justify to postulate frequent climate fluctuations of varying duration and intensity during the Neogene period. Few of them probably led to glaciations in Northern Europe already in the Early Miocene but at a lesser extent than the inland ice sheets during Pleistocene cooling periods.

Keywords

glaciationnordic pebblesneogenecentral european depressiontime factornorthern europedropstoneclimatic fluctuationendo-/exodynamics