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Die Allgemeine Geologie (insbes. die exogene Dynamik) im letzten Jahrhundert

Brinkmann, Roland

Kurzfassung

I. Einleitung Mannigfaltigen Quellen entsprangen die geistigen Strömungen, aus deren Vereinigung am Beginn des 19. Jahrhunderts die Geologie hervorging. Wichtige Beobachtungen steuerte Italien bei, im 17. und 18. Jahrhundert eine Pflanzstätte induktiver Naturerkenntnis. L. DA VINCI sprach die Versteinerungen unbefangen als Reste früher lebender Organismen an. MAJOLI demonstrierte am Beispiel des Monte Nuovo, wie die fossilführenden Ablagerungen durch die Kräfte des Erdinnern vom Meeresgrunde aufs Trockene gehoben seien. VALLISNERI und MORO legten dar, daß sich die Erdrevolutionen auf natürliche Weise, ohne Annahme von Wundern oder Katastrophen begreifen ließen. Der Däne STENO erkannte in Toskana das Grundgesetz der geologischen Lagerungsfolge. ARDUINO schuf darauf aufbauend das erste stratigraphische System. Die englische Forschung jener Tage bewegte sich auf ähnlichen Wegen. LISTER und WOODWARD vertieften STENOS Erkenntnisse und bereiteten den Boden für die umfassende Einsicht SMITHS, daß die versteinerten Reste überall, nach der gleichen Folge geordnet, in den Schichtgesteinen auftreten. HOOKE berief sich auf die Italiener bei seinem Versuche, die Hebungen und Senkungen der Erdkruste auf Vulkane und Erdbeben zurückzuführen. Er gab diese Gedanken an HUTTON weiter, der sie zu einem großartigen Bilde der Erde und ihres Aufbaues ausgestaltete. Gleich wie NEWTON die Grenzenlosigkeit des physikalischen Raumes, so erkannte HUTTON die Unendlichkeit der geologischen Zeit. Damit war die Bahn für die Anwendung der Naturgesetze auf den Entwicklungsgang der Erde frei. LYELL zog nur die Folgerung, wenn er für die erdgeschichtliche Vergangenheit keine anderen als die heute wirkenden Kräfte zuließ.