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Einhundert Jahre Paläontologie (Paläozoologie) Ein Rückblick auf ihre Entwicklung in Deutschland

Schindewolf, Otto H.

Kurzfassung

Vorwort Zeitliche Einschnitte im Leben des Menschen und menschlicher Einrichtungen bieten nach altem Brauche Anlaß zu Besinnung und Rückschau. Mehr oder weniger befriedigt von dem Erreichten, pflegt man das Vergangene am geistigen Auge vorüberziehen zu lassen und, bereichert um die daraus geschöpften Lehren, Vorsätze für die Zukunft zu fassen. Solche Erinnerungen werden heute ausgelöst durch das einhundertjährige Bestehen der Deutschen Geologischen Gesellschaft, das in diese Zeit tiefster Not und Erniedrigung Deutschlands hineinfällt. Die verflossenen einhundert Jahre bedeuten allerdings, wie vorweg zu betonen ist, für die Wissenschaftsgeschichte der Paläontologie keine natürlich umgrenzte Einheit. Der im Revolutionsjahre 1848 gefaßte und durchgeführte Beschluß weitschauender Männer, die geologisch arbeitenden und interessierten Kreise Deutschlands zu einer wissenschaftlichen Gesellschaft zusammenzufassen und ihnen durch Sitzungen, Tagungen und Veröffentlichungen Gelegenheit fruchtbaren Gedankenaustausches zu geben, hat zweifellos sowohl der Geologie wie der Paläontologie und ihren Nachbarwissenschaften kräftige, lebenzeugende Impulse gegeben. Die Begründung der Deutschen Geologischen Gesellschaft bezeichnet aber ebensowenig wie die ihrer Vorgänger in anderen Ländern, der Geological Society of London (1807) und der Société geologique de France (1830), einen ausgesprochenen Wendepunkt in der Entwicklung der Paläontologie, die damals bereits als Wissenschaft im heutigen, modernen Sinne bestand. Es sind jedoch in dem zu überblickenden Zeitraume mancherlei bedeutsame Fortschritte zu verzeichnen. Deutsche Forscher haben nach Kräften zum Ausbau der Paläontologie beigetragen, und darüber soll hier, soweit der knappe Raum es gestattet, in skizzenhafter Form berichtet werden. ...