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Die Paläobotanik in Deutschland in den letzten 100 Jahren

Gothan, Walther

Kurzfassung

Beim 100jährigen Jubiläum der Deutschen Geologischen Gesellschaft in diesem Jahre ist es am Platz, die Entwicklung auch dieses Teils der Paläontologie einmal an uns vorüberziehen zu lassen; dabei wird sich zugleich zeigen, daß die Deutsche Geologische Gesellschaft auch an den Fortschritten und der Förderung dieser allmählich zu einem selbständigen, bereits außerordentlich ausgedehnten Wissensgebiet gewordenen Wissenschaft regen Anteil genommen hat. Die Zeit der Gründung der Gesellschaft ist auch als Ausganspunkt derartiger Betrachtungen recht geeignet, da um diese Zeit eine Reihe wichtiger Publikationen des Vaters der deutschen Paläobotanik, H. R. GOEPPERT, erschienen sind; nämlich im Jahre 1849 die Preisschrift von BEINERT und GOEPPERT über ,Die Beschaffenheit und Verhältnisse der fossilen Flora in den verschiedenen Steinkohlenablagerungen eines und desselben Reviers" und 1850 GOEPPERTs dicke ,Monographie der fossilen Koniferen". In der erstgenannten Arbeit ist zum erstenmal die stratigraphische Bedeutung der Karbonflora dargelegt und ist gezeigt worden, daß in einem und demselben Steinkohlenbecken verschiedene Teilabschnitte des Karbonprofils erkannt werden können. An dem Ausbau dieses praktisch wichtigen Zweiges der Paläobotanik ist bis in die neueste Zeit weiter gearbeitet worden, und die letzten Auswirkungen dieser Arbeit liegen in den Publikationen der beiden Heerlener karbonstratigraphischen Kongresse vor, ohne daß in dieser Arbeit ein Stillstand eingetreten wäre. BEINERT und GOEPPERT erkannten schon damals klar, daß im niederschlesischen Karbon, in dessen Mitte der Freund GOEPPERTs, der Apotheker BEINERT in Charlottenbrunn wohnte und wirkte, die untere Etage des dortigen Karbons, der Liegendzug oder die Waldenburger Schichten, sich durch seine Flora scharf von dem Hangendzuge, den Schatzlarer Schichten, unterscheidet. Man muß sagen, daß in kaum einem anderen deutschen Steinkohlenbecken die floristischen Differenzen so auffallend sind wie dort. Hier sind außerdem die beiden Stufen durch eine charakteristische Schichtenfolge von Konglomeraten, die Weißsteiner Schichten, scharf getrennt, deren paläontologische Stellung aber erst in jüngerer Zeit richtig erkannt wurde. ...