Original paper

Deutsche mikropaläontologische Forschung

Staesche, Karl

Kurzfassung

Das Studium der Mikrofossilien, früher eine wissenschaftliche Liebhaberei verhältnismäßig weniger Spezialforscher, ist heute zu einem fast selbstverständlichen Hilfsmittel der auf die Erschließung der Bodenschätze, namentlich des Erdöls, gerichteten Praxis geworden. Jede größere Ölgesellschaft und zahlreiche mit geologischen Aufschlußarbeiten befaßte Dienststellen unterhalten mikropaläontologische Laboratorien, deren Hauptaufgabe die Auswertung der Kleinfossilien für stratigraphische Zwecke, insbesondere zur Horizontbestimmung von Bohrproben ist. Wichtige Ergebnisse für die Schichtengliederung sind hierbei erzielt worden, über die HILTERMANN (1947) in einer soeben erschienenen Zusammenstellung berichtet. Aber auch die rein paläontologische Erforschung der Mikroorganismen hat dadurch neue Anregung und Förderung erfahren, so daß das Interesse an ihnen auch außerhalb des Kreises der auf diesem Gebiet praktisch Tätigen ständig steigt. Dieser starke Auftrieb der Mikropaläontologie in den letzten Jahrzehnten darf aber nicht dazu verleiten, sie als etwas grundsätzlich Neues hinzustellen. Das Wort Mikropaläontologie zwar oder eine ähnliche Zusammensetzung taucht früher nur selten auf; bekannt ist EHRENBERGs Mikrogeologie (1854), weniger bekannt, daß im Jahre 1883 der Geological Survey of Canada mit der Herausgabe einer Schriftenreihe begann unter dem Titel: Contributions to Canadian Micro-Palaeontology. Auch sonst mag die Bezeichnung ausnahmsweise gebraucht worden sein; stärker in Aufnahme gekommen ist sie erst in neuester Zeit. Sachlich aber blickt die Mikropaläontologie, genau wie die Paläontologie der Großfossilien, die ja ebenfalls der Praxis beachtliche Dienste leistet, auf eine lange Geschichte wissenschaftlicher Arbeit zurück, in der sie wurzelt und ohne die ihre heutige explosive Entfaltung gar nicht möglich gewesen wäre. Daß hieran die deutsche Forschung nicht unwesentlich beteiligt ist, soll der folgende Überblick zeigen. ...