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Die Petrographie in Deutschland während der letzten hundert Jahre

Tröger, W. E.

Kurzfassung

Alle Teile der modernen Naturwissenschaften streben auf wechselnd gekrümmtem Pfade mehr oder weniger steil hinauf zu dem glücklicherweise immer noch fernen Gipfel der Erkenntnis. Es lohnt sich wohl, manchmal kurz anzuhalten und rückblickend die durchlaufenen Windungen zu verfolgen. Zwar befinden wir uns mit der Petrographie heute nicht gerade auf einem besonders ausgezeichneten Punkte, etwa an einer Kehre, die einen Blick in ganz neuer Richtung gestatten würde, sondern eher auf einem wenig gewundenen, flach ansteigenden Stück des Weges, doch wissen wir nicht, wann die nächste große Wendung kommen wird, und so soll das Jubiläum dieser Zeitschrift ein willkommener Anlaß zu einem Rückblicke sein. Ein Zeitraum von hundert Jahren ist für eine relativ so junge Wissenschaft wie die Petrographie schon eine beachtliche Spanne. Von vornherein steht fest, daß wir die geschichtliche Entwicklung unserer Wissenschaft nur in ganz großen Zügen umreißen können, wenn wir in dem beschränkten Rahmen des vorgliegenden Jubiläumsbandes bleiben wollen, und es ist schwer, aus vier Forschergenerationen eines ganzen Volkes die richtigen Namen auszuwählen. Sicher wird der Leser am Ende dieser Zeilen den Eindruck haben, daß nach seiner Meinung dieser oder jener Petrograph unbedingt noch hätte genannt werden müssen; er mag sich bescheiden mit der Versicherung, daß dem Berichterstatter die Auswahl sehr schwer gefallen ist. Die Wissenschaft selbst ist zwar international, ihre Ausübung jedoch ist durch Methodik, Fragestellung und Studienobjekt regional und zeitlich weitgehend gebunden, nicht durch politische Grenzen, wohl aber durch geographische und sprachliche. Deshalb wurde der regionale Rahmen dieses Rückblickes möglichst weit gespannt: nicht nach einer der verschiedenen Grenzen Deutschlands in den vergangenen hundert Jahren richtet er sich, sondern er soll den ganzen Bereich der deutschen Sprache erfassen, durch deren Vermittlung ja der Gedankenaustausch einer bestimmten Gruppe von Petrographen vor sich ging, die sich in ihrer gedanklichen Zielsetzung wie in ihrer Arbeitsweise vielfach von einem eichzeitigen englischen, französischen oder russischen Arbeitskreis unterscheidet. ...