Original paper

Die Bodenschätze der Erde und ihr Verbrauch

Petrascheck, W.

Kurzfassung

Selten hat eine geologische Veröffentlichung so weitgehende Wirkung gehabt, wie jene von RALPH ARNOLD aus dem Jahre 1915, in der er darauf hinwies, daß die Erdölreserven der Vereinigten Staaten nur für 22 Jahre hinreichend seien. Die erste Maßnahme, die getroffen wurde, war, daß eine Neuberechnung durch den Geological Survey veranlaßt wurde, der weitere alljährlich folgten. Auch jene Neuberechnung ergab kein wesentlich besseres Resultat. Die Folge war, daß die Regierung der amerikanischen Erdölindustrie empfahl, mit ihren Mitteln und Erfahrungen ins Ausland zu gehen und von dort aus die andere Welt zu beliefern, um so zu vermeiden, daß USA. schon in einer nahen Zukunft zum Ölimport genötigt werde. Damit begannen die Beteiligungen im nahen Osten mit ihren politischen Begleiterscheinungen, und auch Deutschland und Österreich erweckten in der Folgezeit das Interesse amerikanischer Ölkonzerne, die dort und da Untersuchungsarbeiten und auch Probebohrungen durchführten. Heute ist das, was ARNOLD im Jahre 1915 als Zukunftsreserve der Vereinigten Staaten errechnet hatte, nicht nur längst konsumiert, sondern durch den Verbrauch bedeutend überschritten, und immer noch sind die dort bekannten Vorräte im Erdboden weit größer als man damals annahm (23 066 Mill. bbs gegen 5700). Die Erdölforschung erhielt seitdem durch die Geophysik einen ungeahnten Auftrieb; weiß man doch, um nur ein Beispiel zu nennen, im Golfgebiete heute von 250 Salzdomen gegen 44 im Jahre 1921 und erst in den allerletzten Jahren wandte man sich dem Aufsuchen stratigraphischer Ölfallen zu, die vorher wenig bekannt waren. Damals lieferte USA. 71% der Weltproduktion, heute nur mehr 62%. Venezuela trat statt Rußland an die zweite Stelle als Produzent Hinsichtlich der Vorräte ist heute Kuwait bei den Größten, ein Land, dessen Bedeutung erst in den allerletzten Jahren erkannt wurde. Überhaupt zeigte es sich, daß Öl auf der Erde häufiger angetroffen wird, als man vor wenigen Jahrzehnten noch annahm. ...