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Die kaledonische Faltung Mitteleuropas im Bilde der gesamteuropäischen

Stille, Hans

Kurzfassung

Zusammenfassung Die mitteleuropäischen kaledonischen Faltungen zerfallen entlang der ,Elbe-Linie" in die ,nebenhebridischen" westlichen und die ,nebenpodolischen" östlichen. Die ersteren, die ihre Hauptentwicklung auf den Britischen Inseln aufweisen, verebben in Mitteleuropa (Abb. 2) etwa in der Linie Südengland- nördlichstes Frankreich-nördlichstes Rheinisches Schiefergebirge-Harz, so daß z. B. schon das Armorikanische Massiv und der Hauptteil des Rheinischen Schiefergebirges wie auch der thüringisch-sächsisch-böhmische Raum sie nicht mehr aufweisen. In den nebenpodolischen Raum entfallen die kaledonischen Faltungen der Westsudeten und des Polnischen Mittelgebirges. Ein bemerkenswertes Vikariieren der Faltungen (Abb. 5) ist zwischen dem westlich der Elbe-Linie liegenden Saxothuringikum und den sich östlich anschließenden westsudetischen (lugischen) Gebieten darin gegeben, daß die assyntische Faltung zwar in den saxothuringischen Westräumen, dagegen nicht - soweit bisher erkennbar - in den Osträumen gewirkt hatte und umgekehrt die kaledonische Faltung zwar in den Osträumen, dafür aber nicht im Saxothuringikum. Auch das östlich des Moldanubikums und Lugikums liegende Moravosilesikum (Abb. 1) dürfte mindestens zu erheblichen Teilen die kaledonische Faltung erfahren haben, doch ist es im Gegensatz zum Lugikum und auch zu dem es im Osten umsäumenden Vistulikum nachkaledonisch zu einer Geosynklinalregion (,Moravosilesischer Korridor"), einem Verbindungsstück zwischen der devonischen Nordgeosynklinale und dem devonischen Mediterranraum, regeneriert worden. Die nebenhebridischen kaledonischen Faltungen Mitteleuropas gehören zu dem großen zirkumlaurentischen Faltungsstamme der Eriiden, die nebenpodolischen zum zirkumfennosarmatischen Faltungsstamme der Norgiden. Beide Stämme werden in Nordeuropa getrennt durch den ,Paleuropäischen Scheitel" (Abb. 2 und 3), der den ehemaligen britisch-skandinavischen Geosynklinalraum nicht - wie dem normalen Bilde der Gebirgsbildungen entsprechen würde - etwa in der Längslinie, sondern schräg, ja fast senkrecht zu dieser durchschneidet. Das findet seine Deutung im Bestehen des skandischen Urozeans und überhaupt in der Vorgeschichte des nordeuropäischen Raumes, die ihrerseits wieder durch uralte Lineamente vorgezeichnet gewesen ist. Die südliche Fortsetzung des Paleuropäischen Scheitels ist in Mitteleuropa durch die ,Elbe-Linie" gegeben.