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100 Jahre Forschung in der saxonischen Tektonik

Lotze, Franz

Kurzfassung

1. Einleitung ,Germanotyp" ist nach STILLE (1924) die Reaktionsform der konsolidierten Räume, der ,Kratone", auf eine orogene Beanspruchung. ,Saxonisch" ist die germanotype Gebirgsbildung der alpidischen Faltungsära; und ,Saxonien" im weiteren Sinne umfaßt die großenteils durch die variszische, z. T. auch schon durch frühere Großorogenesen konsolidierten Vorlandräume des alpidischen Europa, soweit sie später überhaupt noch eine orogene Dislozierung nennenswerten Ausmaßes erlitten haben. ,Saxonien" ist danach sehr groß; zu ihm gehören weite Teile Spaniens, fast ganz Frankreich, England und Deutschland, Teile von Nord- und Osteuropa. Aus diesem Komplex hebt sich aber ein Gebiet heraus, das wir als ,Saxonien im engeren Sinne" bezeichnen können und das den unmittelbar vor dem Alpenkörper (als einem wichtigen Knoten der Alpiden-Faltenschlinge) gelegenen Sektor Europas umfaßt. Dieser Ausschnitt Großsaxoniens, also vor allem Mitteleuropa, zeichnet sich, wie wir heute wissen, durch besonders mannigfache, besonders lebhafte, besonders komplizierte, ja gegensätzliche Dislokationsformen aus; er hat sich damit nicht nur als ein sehr interessantes Gebiet erwiesen, sondern er ist zugleich jenes, in welchem die saxonische Forschung ihren Ausgang genommen, ihre Methoden gefunden und ihre wichtigsten Ergebnisse erzielt hat. ...