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Die Entwicklung der Anschauungen über den Bau der deutschen Alpen

Richter, Max

Kurzfassung

Die Alpen mit ihren hochragenden Gipfeln, ihren tiefeingefurchten Tälern, mit ihrem unendlichen Reichtum an landschaftlichen Schönheiten und mit ihrer unerschöpflichen Fülle an wissenschaftlichen Problemen, haben die Geologen aller Länder seit bald 150 Jahren immer wieder angelockt, und viele von ihnen sahen in der Erforschung dieses Gebirges eine Lebensaufgabe. Deutsche Geologen haben zu dieser Erforschung wesentliche und wichtige Ergebnisse beigesteuert. Der deutsche Alpenanteil, so klein und bescheiden er sich auch gegenüber dem gesamten Gebirge ausnehmen mag, hat für die alpine Geologie eine große Bedeutung und ist aus der Entwicklung der Anschauungen über Stratigraphie und Tektonik der ganzen Alpen nicht wegzudenken. Er hat mehr zu diesen beigetragen als eigentlich seiner Größenordnung nach ihm zukommt. Viele stratigraphische Ergebnisse und neue tektonische Anschauungen sind in den deutschen Alpen gewonnen worden, gerade für die Tektonik ist ihre Lage am Außenrand des Kettengebirges besonders bedeutungsvoll, zumal hier Helvetikum, Flysch und ostalpine Kalkalpen zum Ausstrich kommen und auf schmalem Raum neben und übereinander liegen. Als eng verbundenes Vortiefensediment tritt außerdem die subalpine Molassezone hinzu. Besonders die extreme Versteilung tektonischer Flächen eines sich hier am Alpennordrand festfahrenden Deckengebirges schafft tektonische Komplikationen, wie sie in anderen Alpengebieten nicht auftreten, und so nimmt es nicht wunder, daß sich in den deutschen Alpen nicht nur diel tektonischen Elemente, sondern vor allem auch die tektonischen Anschauungen oft hart im Raum gestoßen haben. ...