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Ein Jahrhundert Riesgeologie

Dorn, Paul

Kurzfassung

Zusammenfassung Überblickt man die Ergebnisse der in den letzten hundert Jahren durchgeführten Riesforschungen, so sieht man, wie überaus berechtigt es ist, zu sagen, daß nur durch ständigen Wechsel in den Auffassungen und Theorien Fortschritte erzielt werden können. Von den verschiedensten Rieshypothesen werden die beiden vulkanischen und unter diesen wiederum die KRANZsche Sprenghypothese am ehesten dem geologischen Grundlagenmaterial gerecht und werden durch sie die mit dem Riesphänomen zusammenhängenden geologischen Erscheinungen am verständlichsten erklärt. Durch weitgehende Annäherung an die heute auch stark modifizierte BRANCA-FRAASsche Riesberg-Explosionshypothese, durch Übernahme mancher wichtigen, in dieser vertretenen Ansichten, hat die Sprenghypothese nur gewonnen, auch wenn in ihren Erklärungsversuchen sicherlich noch manche schwache, angreifbare Stellen vorhanden sind. In den hundert Jahren Riesforschung hat sich das Gesamtbild so abgerundet, daß wir sagen können, die Riesentstehung vollzog sich wohl in folgenden Akten: 1. Über einer seit dem Jungpaläozoikum ausgebildeten Schwelle kristallinen Grundgebirges kam es im jetzigen Riesgebiet durch ein in sehr großer Tiefe vorhandenes Magma zu einer Emporwölbung um maximal wenige hundert Meter. Gegen Ende dieser Phase Einschmelzung kristallinen Grundgebirges und Ansammlung von Gasen. Präobermiozän. 2. Eine große zentrale Gasexplosion führte inmitten des jetzigen Rieskessels zur Bildung eines Sprengtrichters, der freilich nur halb so groß war wie der heutige Rieskessel. Daneben entstanden im Vorgelände des Rieses wohl einige, auf örtliche Explosionen zurückzuführende Durchbrüche. Das Magma der Tiefe spielte bei diesen Explosionen nur eine passive, indirekte Rolle. Entstehung der Trümmermassen mit Bunter Brekzie, Grießbildung und Überschiebungen. Wende Unteres zu Mittlerem Obermiozän. 3. Nachsackungen im Sprengtrichter. Beginn der Riesseebildung. Entstehung von See- und Sprudelkalken. Hauptphase der Sueviteruptionen. Mittleres Obermiozän. 4. Stärkere Senkungen im Bereiche des gesamten heutigen Rieskessels. Riessee mit Bildung von Süßwasserkalken und mit bis über 100 m mächtigen limnischen Ablagerungen. Jüngeres Obermiozän. 5. Weitere Senkungen in der Randzone und am Rande des heutigen Rieskessels. Dieser ist also heute ein von jungen Störungen begrenztes Einsturzbecken, auch wenn seine Anlage mit dem schon bei der Rieskatastrophe entstandenen zentralen Sprengtrichter im Zusammenhang steht.