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Die tektonisch Prädestination des Lebensraumes alttertiärer Wirbeltierfaunen Deutschland

Weigelt, Johannes

Kurzfassung

A. Einleitung In meiner Einsamkeit, fern von literarischen Hilfsmitteln, erreichte mich die Aufforderung, zum hundertjährigen Jubiläum unserer Zeitschrift rückschauend über meine quantitativen Wirbeltiergrabungen im Alttertiär zu berichten. Da aber die Resultate dieser Arbeiten die unmittelbare Folge tektonischer Regionalforschung waren, müssen in diesen Zeilen scheinbar sehr heterogene Dinge in logischen Zusammenhang gebracht werden. Denn die Differenzierung der großen Fachbereiche in einzelne Sonderdisziplinen darf uns nicht hindern, fruchtbaren Erkenntnissen, die nur umfassende Synthese vermittelt, nachzustreben. Noch im Aufbruch von Greifswald zur Übernahme des WALTHERSchen Lehrstuhles in Halle 1929 entwarf ich eine Strukturkarte des künftigen Arbeitsraumes und benannte ihn Mitteldeutsche Hauptscholle. Diese Karte aber wurde ein Arbeitsprogramm für mich und viele junge Geologen (WEIGELT 1939), und mit ihr entstand das Problem der Kastenschollen überhaupt. Diese Schollen repräsentieren einen eigenartigen Typus, der Relativbewegungen seine Entstehung verdankt. Sie besitzen eine tief eingesenkte Mitte und halbhorstartige Ränder, im mobilen Gesteinsbereich meist verrundet, im stabileren winklig umgrenzt und abgestaffelt von tektonischen Schwächelinien, in sich zerlegt in ein System nach unten und oben ausweichender, über Kreuz stehender, oft auch tordierter Kippschollen, die jüngeren Sedimenten und Lagerstätten den Bildungsraum diktieren. Die kleinen sind meist salztektonisch bedingt, die Ausgestaltung der großen beruht auf tiefen Unterströmungen und Ausgleichsbewegungen des Magmas. ...