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Das Erdöl im Rheintalgraben mit besonderer Berücksichtigung der Neubohrungen im Untermiozän Hessens

Wagner, W.

Kurzfassung

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, um ein erdölhöffiges Gebiet entstehen zu lassen: Erstens müssen die Voraussetzungen für die Bildung von Erdölmuttergesteinen gegeben sein, die im wesentlichen als Sapropelgesteine, als bituminöse Tone und Mergel, auftreten. - Es muß zweitens die Möglichkeit bestehen, daß die aus niederen Tieren und Pflanzen hervorgegangene bituminöse Substanz wenigstens teilweise zu Erdöl verflüssigt werden kann. Dazu gehören sowohl biochemische als auch rein chemische Prozesse, die unter erhöhter Temperatur bis zu etwa 200° unter Gesteinsbelastung und besonders tektonischem Druck in geologischen Zeiträumen erfolgen. - Endlich müssen geologische Strukturen vorliegen, die dem Erdöl die Einwanderung in poröse, zur Aufnahme geeignete Gesteine ermöglichen und hier so gestaltet sind, daß eine produktive Anreicherung erfolgt, wobei weitgehende Migrationen vor sich gehen können. Nur selten können für ein Ölgebiet alle drei Bedingungen nachgewiesen werden, insbesondere ist die Frage nach dem Muttergestein nur selten einwandfrei gelöst worden. Fragen wir uns: Ist der Rheintalgraben zwischen Basel und Mainz ein Gebiet, das ganz oder teilweise die Bedingungen zur Bildung produktiver Erdölvorkommen erfüllt? Die Lösung dieser Frage ist an die Bildung des Grabens geknüpft und kann nur an Hand dessen Entstehungsgeschichte versucht werden. Die Erdölmuttergesteine, aus denen und in denen das Erdöl entstanden ist, bedürfen zu ihrer Bildung vor stärkerer Wasserbewegung geschützte Seen oder Meeresbuchten. Unter diesen sind diejenigen zur Entstehung größerer Lagerstätten geeignet, die durch ständige Senkung über lange Zeiträume hinweg in dem gleichen Zustand verbleiben. Ein solches Gebiet stellte während bestimmter Zeiten des. Tertiärs der Rheintalgraben dar.