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Einige geologische Beobachtungen und Gedanken

von Goethe, Johann Wolfgang

Kurzfassung

,Kaum nahe ich mich den Bergen, so werde ich schon wieder vom Gestein angezogen. Ich komme mir vor wie Antäus, der sich immer neu gestärkt fühlt, je kräftiger man ihn mit seiner Mutter Erde in Berührung bringt." (Bologna, 20. Okt. 1786.) ,Man habe auch tausendmal von einem Gegenstande gehört, das Eigentliche desselben spricht nur zu uns aus dem unmittelbaren Anschauen." (Neapel, 20. März 1787.) ,Bei Beobachtungen sind selbst die Irrtümer nützlich, indem sie aufmerksam machen und den Scharfsichtigen Gelegenheit geben, sich zu üben." (1784.) Über den Granit 1784-1785: ,Der Granit war in den ältesten Zeiten schon eine merkwürdige Steinart und ist es zu den unsrigen noch mehr geworden. ... Die Neuern gaben dieser Gesteinsart den Namen. ... von ihrem körnigtem Ansehen, und sie mußte in unsern Tagen erst einige Augenblicke der Erniedrigung dulden, ehe sie sich zu dem Ansehen, in dem sie nun bei allen Naturkündigern steht, emporhob... Jeder Weg in unbekannte Gebirge bestätigte die alte Erfahrung, daß das Höchste und das Tiefste Granit sei, daß diese Steinart ... die Grundfeste unserer Erde sei. ...mannigfaltig in der größten Einfalt. ... Auf einem hohen nackten Gipfel sitzend und eine weite Gegend überschauend, kann ich mir sagen: Hier ruhst du unmittelbar auf einem Grunde, der bis zu den tiefsten Orten der Erde hinreicht. Keine neuere Schicht, keine aufgehäufte zusammengeschwemmte Trümmer haben sich zwischen dich und den festen Boden der Urwelt gelegt, du gehst nicht wie in jenen fruchtbaren schönen Tälern über ein anhaltendes Grab, diese Gipfel haben nichts Lebendiges erzeugt und nichts Lebendiges verschlungen, sie sind vor allem Leben und über alles Leben." ...