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Über geotektonische ,Leitlinien"

Kraus, E.

Kurzfassung

Seit der glänzenden Darstellung alpidischer Leitlinien durch E. SUESS (1885) sucht man allgemein nach ,Leitlinien", nach Fortsetzungen, ,Zusammenhängen" der Gebirge und ihrer Einzelzonen. Unser Erdantlitz erhielt so seine ,Züge". Grundgedanke war dabei die kontraktionstheoretische Vorstellung, es müßten sich die in Abkühlung begriffenen Teile der Erdrinde unter Kontraktion um bereits stabiler gewordene Schollen herumschlingen. Die Allgemeinerscheinung der Erdabkühlung und Kontraktion ließ einen allseitigen Zusammenhang der verbliebenen Schwächezonen um die Schollen herum erwarten. Wurden erstere als ,Geosynklinalen" bezeichnet, so letztere als ,Rahmen" oder ,Vaterschwellen", die, sich im Absinken relativ gegen die Geosynklinalen bewegend, den orogenen Zusammenschub besorgen. Die letzte Konsequenz hiervon zog L. KOBER mit seiner Vorstellung von den ,orogenen Ringen", welche angeblich sämtliche Großschollen der Erdrinde umgürten; auch mit seinen rechnenden Konstruktionen, welche die seit den Anfängen mit Dichte 1 bis Dichte 5,5 von heute und bis zur Erkaltung eintretenden Volum-Minderungen des Erdballes mit all ihren erdgeschichtlichen Folgen 1942 als ,Naturwahrheit" darstellten. Sehen wir ab von ausgezeichneten Gedanken und origineller Durchführung in diesem inhaltsreichen Werk, so war es doch eine ungeheure Extrapolation ohne Rücksicht auf mögliche oder naheliegende Änderungen der in die Rechnung eingehenden Konstanten. ...