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Zur Paläogeographie und Mikropaläontologie des oberbayrischen Paleozänflysches

Hagn, Herber

Kurzfassung

Zusammenfassung (1. Kapitel) Die vorliegenden Untersuchungen befassen sich in der Hauptsache mit der Deutung grobkörniger Brekzien, die besonders in paläogeographischer Hinsicht völlig neue Verhältnisse erkennen lassen. Diese Flyschbrekzien, die am Zwiesel gefunden wurden, sind mikropaläontologisch eindeutig als Paleozän gekennzeichnet. Durch die oben beschriebenen Funde konnte Tertiärflysch nunmehr auch von dieser Stelle der bayrischen Alpenrandzone namhaft gemacht werden. Der petrographische Bestand der vorliegenden Brekzien ist außerordentlich reichhaltig. Quarz, Feldspäte und Glimmermineralien überwiegen. Eine große Bedeutung hat ferner Granat. Die Schüttungen des kristallinen Materials dürften aus dem N erfolgt sein, wofür eine gewisse Auslese spricht. Noch aufschlußreicher sind die sedimentären Anteile der Brekzien. In ihnen konnten aufgearbeitete Gesteine der Flyschzone selbst erkannt werden. Sie konnten teils durch ihren charakteristischen Mineralbestand (Gaultgrünsande), teils durch bezeichnende Mikrofossilien (Globotruncana) altersmäßig eingestuft werden. Dabei ergab sich, daß alle Schichtglieder vom Neokom bis ins Maastricht angetroffen werden konnten. Gesteine aus dem Oberostalpin ließen sich hingegen nicht nachweisen: die Kalke und Hornsteine mit Calpionellen und Radiolarien werden von der mesozoischen Bedeckung des Cetischen Rückens abgeleitet; sie bilden die normale Unterlage des Kreideflysches. Ähnlich heterogen wie die sedimentären Anteile der Brekzien sind die entsprechenden Fossilfunde. In der Hauptsache liegen generisch unbestimmbare Reste von Gastropoden, Lamellibranchiaten, Echiniden, Bryozoen und Inoceramen vor. Lithothamnien sind ebenfalls vertreten. Besonders bedeutsam sind Funde von Großforaminiferen, an denen teilweise noch das Muttergestein haftete, so daß diese altersmäßig genau eingestuft werden konnten. So gehören die Orbitolinen dem Neokom, Siderolites calcitrapoides dem Maastricht an. Berücksichtigt man ferner die Mikrofossilien, wie sie in den einzelnen Geröllen angetroffen werden, so Calpionellen aus dem Malm, Globotruncana aus dem Turon-Senon, so ergibt sich, daß die Fauna in ihrer Gesamtheit einer Zeitspanne entstammt, wie sie die Zeit zwischen Malm und Paleozän darstellt. Discocyclinen stellen die jüngsten Großforaminiferen dar und kennzeichnen die vorliegende Thanatozönose eindeutig als Paleozän. Vergleicht man die vorliegenden Brekzien mit dem ,Muldeneozän" MÜLLER-DEILES oder gar mit Unternoggschichten bzw. Dürnbachbrekzien, so erkennt man, daß die Vorkommen am Zwiesel hinsichtlich der Natur ihrer klastischen Komponenten gut von den genannten Bildungen abgetrennt werden können. Sie stellen eine dritte Fazies von Paleozänflysch dar, dessen wichtigstes Kriterium seine Beziehungen zum S darstellen. Diese beschränken sich nicht etwa auf die relative Südlage der Fundpunkte am Zwiesel gegenüber den bekannten Vorkommen von ,Muldeneozän" bzw. Unternoggschichten, die streng an den Nordrand des Flysches gebunden sind, sondern äußern sich auch in der Herkunft der sedimentären Anteile der Brekzien, deren Schüttungszentren weit im S gelegen haben müssen. ...