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Monatsversammlung in München am 1. Dezember 1949 ,Helgoland vor und nach der Sprengung"

Schmidt-Thomé

Kurzfassung

Einleitend wurden Lichtbilder von der Sprengung der Insel und von den darauf zurückgehenden Zerstörungen gezeigt. Ein Teil der Bilder war von den Herren Dr. HECK (Kiel) und Prof. Dr. PRATJE (Hamburg) zur Verfügung gestellt worden. An Hand eigener Diapositive wurde die geologisch-tektonische Entwicklungsgeschichte von Helgoland und seiner näheren Umgebung geschildert. Es hat sich ergeben, daß ein herzynisch gerichtetes, durch eine Längsverwerfung in herzynischer Richtung geteiltes, unsymmetrisches Gewölbe mit höher herausgehobenem Nordostflügel und schwächer ausgebildetem Südwestflügel das Dach einer Salzantiklinale bildet, deren Salzmächtigkeit durch eine bei 2600 m Teufe im Salz eingestellte Tiefbohrung bisher annähernd 2000 m beträgt. Der natürliche Ablauf der Zerstörung durch Brandungserosion führte bisher zu einem Landverlust von rund 2 ha pro Jahrhundert und war durch Uferschutzmauern fast vollständig unterbunden und zum Stillstand gekommen. Durch die Sprengung wurde die Südostspitze und ein Teil der Nordostspitze vernichtet und ist verschwunden. Die Felskante dazwischen, an deren Fuß das Unterland lag, ist auf ein Drittel der ursprünglichen Länge verkürzt. Tiefe Sprengkrater haben, zusammen mit talartigen Eintiefungen, an Stell ehemaliger Kasematten die Oberfläche der Felsinsel umgestaltet. Wohl mehr als ein Fünftel (also mehr als sonst in vier Jahrhunderten) ist der Inseloberfläche durch die Sprengung verlorengegangen. ...