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Zur Geschichte der Emsland-Ölfelder

Bentz, Alfred

Kurzfassung

Es hat sich gezeigt, daß die während des letzten Krieges im deutsch-holländischen Grenzgebiet entdeckten Ölfelder sehr große wirtschaftliche Bedeutung besitzen. Nach den heutigen Kenntnissen darf damit gerechnet werden, daß nicht weniger als 2 Drittel, nämlich rund 26 Mio t, der deutschen Gesamtvorräte von 38 Mio t (Stand 1.1.1951) im Emsland liegen. Da die Entdeckung dieser Felder ein Musterbeispiel für eine gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis darstellt, erscheint es angebracht, hierüber einiges mitzuteilen. Die auf der Südflanke des Bentheimer Sattels auftretenden Asphaltgänge lenkten schon sehr früh die Aufmerksamkeit auf dieses Gebiet. Allerdings wurde der Asphalt nicht als solcher erkannt, sondern als Steinkohle angesprochen. Schon 1736 wurde daher ein Steinkohlenbergwerk gegründet, das jedoch erst 1857 bis 1860 in Betrieb gewesen zu sein scheint. Bei der geringen Mächtigkeit der Gängchen kann es sich jedoch nur um eine minimale Förderung gehandelt haben, die sehr schnell wieder zum Erliegen kam. Erst 1874 wurde die "Kohle" als Asphalt erkannt, und im Zusammenhang damit wurde der Versuch gemacht, mit den Grundeigentümern die ersten Erdölabbauverträge abzuschließen. Allen diesen Bestrebungen blieb jedoch zunächst ein wirtschaftlicher Erfolg versagt. Eine neue Untersuchungsperiode begann dann 1903 auf Initiative eines Bankhauses ULRICH & Co., das die "Westdeutschen Erdölwerke G.m.b.H." gründete. Der damals führende europäische Erdölgeologe K. K. Hofrat Professor Dr. Hans HÖFER in Leoben erstattete für dieses Unternehmen am 5.12.1903 ein Gutachten unter dem Titel "Bentheim, eine Erdölstudie". Er kam zu folgendem interessanten Ergebnis: "Mehrere Tatsachen machen es wahrscheinlich, daß unter dem Wealden bei Bentheim die Juraformation lagert und daß sie Erdöl führt. Eine in der Nähe des Höltingsstuhls angesetzte Tiefbohrung würde diese Frage mit den relativ geringsten Kosten in der kürzesten Zeit lösen. Diese Kosten bilden das Risiko. Ist Erdöl in der Tiefe vorhanden, so erwarte ich es in größerer Menge, da erfahrungsgemäß flache ungebrochene Antiklinalen unter gleichen Verhältnissen dort am meisten Erdöl geben, wo sie mit Schieferton oder ähnlichem Gestein überdeckt sind".