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Das Eem im Raum Norderney-Hilgenriede

Dechend, Wilfried

Kurzfassung

1. Einleitung Die stratigraphische Einstufung und paläogeographische Deutung der postsaaleeiszeitlichen Absätze im ostfriesischen Küstengebiet bereitet zum Teil erhebliche Schwierigkeiten. Der Grund hierfür liegt einmal darin, daß die Tone und Sande oft nur einen sehr geringen Fossilinhalt besitzen, dessen Zusammensetzung außerdem nur wenig oder gar nicht von der der heutigen Faunen abweicht; zum anderen fehlen vielfach sicher datierbare Schichten, wie Torf, Grundmoräne usw. Nun hat im Auftrage des Niedersächsischen Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Forschungsstelle Norderney des Wasser- und Schifffahrtsamtes Norden im Sommer 1950 eine größere Anzahl von Bohrungen zwischen der Insel Juist und dem Festland ausgeführt, von denen 3 im Raum des Hafens von Norderney und eine nördlich von Norddeich niedergebracht wurden. Diese Bohrungen ergaben wesentlich neue Erkenntnisse über die erdgeschichtliche Entwicklung des Gebietes, deren grundsätzliche Bedeutung hier dargestellt werden soll. 2. Neues zur Stratigraphie a) Norderney Die Bohrungen im Bereich des Hafens Norderney trafen folgende Schichten: 0 bis -14 (-10)mNN: graue Prielabsätze, bis -26 (-30)mNN: grüngraue und graue Sande mit Pflanzenresten und Tonlagen, bis -36 mNN: weißgrauer Mehl- bis Grobsand mit Quarzkies und großen Geröllen, Pflanzenresten und braunen Tonlagen. Die Sedimente bis -10 mNN sind stets von hellgrauer bis schwarzgrauer Farbe und bestehen aus dünnen Wechsellagen von Feinsand und Schlick, in die Pflanzenhäcksellagen eingeschaltet sind. Außerdem sind in verschiedenen Horizonten Schill-Lagen vorhanden, in denen außer der überwiegend alluvialen Wattfauna auch marine Formen der küstennahen Flachsee vertreten sind. Diese Absätze sind nach den Erfahrungen im Juister Watt als Prielabsätze des Alluviums anzusprechen. Die liegenden Sedimente von -14 bis -30 mNN weichen in ihren petrographischen Eigenschaften von denen der hangenden Schichten beträchtlich ab und können somit nicht in den gleichen Zeitabschnitt gestellt werden. Es handelt sich um grüngraue bis hellgraue Mehl- und Feinsande, die von mm-dünnen grauen und grünen, festen Tonlagen durchzogen sind. Der Schaleninhalt besteht aus Bruchstücken von Cardium sp., Mytilus sp., Macoma sp., Thracia papyracea und Venerupis senescens. Diese Sedimente sind also als Absätze eines älteren Meeres aufzufassen.