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Junge Harnischbildungen in Sedimenten des ostfriesischen Wattenmeeres

Dechend, Wilfried

Kurzfassung

Anläßlich einer Aufgrabung auf dem Koper Sand im ostfriesischen Wattenmeer wurden Harnischbildungen beobachtet, die meines Wissens bis jetzt aus diesen jungen Sedimenten noch nicht bekannt sind. Unter dem Koper Sand - zwischen der Insel Juist und dem Festland - liegt der Rest der im 18. Jahrhundert untergegangenen Hallig Bant. Der Sockel der Hallig besteht aus Bruchwald- und Schilftorf des Atlantikums. Dieser Torf wurde im Laufe des 9. bis 16. Jahrhunderts in bestimmten Gebieten vom Menschen zum Zwecke der Salzgewinnung abgebaut. An der Grenze eines solchen Abbaugebietes fand die Grabung statt. Der Aufschluß zeigte folgendes: Die Grenzfläche zwischen Wattsand und Halligklei liegt 0,25 m unter der heutigen Wattoberfläche. Der 0,5 m mächtige Klei besteht aus fettem Ton mit Pflanzenhäcksel-Lagen und ist nur verhältnismäßig schwach durchwurzelt. Darunter liegt gelbbrauner Schilftorf, der zum Liegenden hin dunkelbraun bis schwarzbraun wird. Neben dem Halligklei liegt dort, wo der Torf abgebaut wurde, mit ± senkrechter Grenzfläche ein jüngerer sandstreifiger Klei. Der unter diesem liegende Torf ist bis zur Abbaubasis treppenförmig abgestochen worden (siehe Abb. 1). Der sandstreifige Klei zeigt in der Nähe der Torf-Abbautreppen keine horizontale Schichtung, sondern die Sandschichten fallen in der Nähe der Treppen zum Torf hin ein. Es erhebt sich die Frage nach der Ursache dieser ungewöhnlichen Erscheinung. Um die Zusammenhänge klar zu erkennen, ist es notwendig, kurz auf die Art des Torfabbaues einzugehen. Der Torf wurde aus dem Anstehenden gestochen, wobei die hangende Halligklei-Decke stehen gelassen wurde, bis der Abbau etwa 0,5 m vorgedrungen war. Dann wurde der Klei von oben abgestochen, und die etwa 1 m breiten und 2 bis 5 m langen Schollen fielen, sich hierbei überschlagend, in die Abbaugrube hinab.