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Geologische Beobachtungen an norwegischen Glimmerpegmatiten

Richter-Bernburg, Gerhard

Kurzfassung

1. Vorbemerkung Es ist zweifellos richtig, daß die in einem Glimmergebiet gewonnenen Erkenntnisse nur mit größter Vorsicht verallgemeinert oder auf andere Vorkommen übertragen werden dürfen, wie K. E. MICKE in dem vorstehenden Aufsatz über "Die ostafrikanischen Glimmerpegmatit-Lagerstätten" schreibt. Bestätigung findet diese Ansicht in Norwegen. Dort gibt es glimmerführende Pegmatite so verschiedener Art, daß sich eine fortlaufende Reihe bilden ließe vom stockförmig in die Tiefe setzenden Kleinstpluton mit rundlichem Querschnitt bei z. T. nur wenigen Metern Durchmesser bis zum fast kilometerlangen schmalen Steilgang oder zum flach intrudierten "Lagergang". Durchaus nicht alle Pegmatite führen dabei Glimmer. Vielmehr besteht auch in dieser Beziehung eine ganze Serie vom reinen Quarzgang über den Quarz-Feldspat-Pegmatit ohne Glimmer bzw. mit wenig Muskowit bis zum Pegmatit mit reichlich Muskowit und Biotit bei relativer Quarzarmut. Als ich vor Jahren von den sicher Tausenden von Pegmatiten Norwegens mehr als 150 Vorkommen auf ihre Glimmerführung hin untersuchte, hatte ich zunächst den Eindruck, daß sie keinerlei Regeln gehorchen. Trotzdem gibt es gewisse Typen und Gesetzmäßigkeiten, nicht nur hinsichtlich des Auftretens, sondern auch bezüglich des inneren Aufbaues. 2. Geologische Position Die Form der Intrusion ist regional verschieden. a) Batholitische Massen, kuppelförmige Kleinplutone zeichnen insbesondere das Gebiet der Bamle-Formation um Kragerö an der Südküste aus (vgl. Tafel 4, Bild 1); ihre Form und Anordnung zeigt keine offenbare Abhängigkeit von dem Nebengebirge und dessen tektonischem Bau. b) Liegende Gänge herrschen weitaus vor in Telemarken, wo sie in den verschiedenartigen Nebengesteinen des jüngst-intrudierten echten Telemark-Granites aufsitzen und als dessen Abkömmlinge gelten müssen. Sie durchschwärmen das Dach des Granites, wobei sie sich grundsätzlich an den Verlauf seiner NW-Kontur halten, der sie im großen Bilde mit SW-NE-Streichen folgen und von welcher sie flach - gelegentlich fast horizontal - nordwestlich aufsteigen. Niemals folgen sie der Schieferungs- bzw. Bewegungsebene der durchschlagenen Metamorphite; sie sind also trotz ihrer flachen Position keine echten Lagergänge.