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Das Erdöl des Rheintalgrabens mit besonderer Berücksichtigung des Untermiozäns

Wagner, W.

Kurzfassung

In einem Vortrag wurde die Frage behandelt, ob der Rheintalgraben zwischen Basel und Mainz ein Gebiet ist, das ganz oder teilweise die Bedingungen zur Bildung produktiver Erdölvorkommen erfüllt. Die Lösung ist an die Grabenbildung geknüpft und es wird versucht, an Hand seiner Entstehungsgeschichte die Frage zu klären. Es wurde zunächst gezeigt, daß es erstmals im Mitteleozän in einer rheinisch gerichteten Senke nordöstlich von Darmstadt zur Bildung von bituminösen Schiefem gekommen ist, die zu einer limnischen Sapropelbildung, einem abbauwürdigen Kohlebitumen bei Messel geführt hat. Mit der obereozänen und untereozänen von Randbrüchen begleiteten Senkung der Ppfalzburg-Kraichgau-Senke und des südlich anschließenden Gebietes bis zum Schweizer Jura beginnt die Bildung des Rheintalgrabens. Es entsteht eine Lagune, die ein Musterbeispiel ist, das uns zeigt, wie ein Senkungsgebiet beschaffen sein muß, um ein Erdölmuttergestein entstehen zu lassen. Im Oberelsaß und Oberbaden entstehen, gleichzeitig mit diesen bituminösen Ablagerungen, die bekannten Kalisalzlagerstätten. Es kommt aber in diesem südlichen Gebiet des Rheintalgrabens, wegen fehlender Speichergesteine, nicht zur Bildung von Öllagerstätten. Im Unterelsaß (Pechelbronn) und bei Bruchsal in Baden vollzog sich aber eine Umwandlung des alttertiären Festbitumens in flüssiges und es fand eine Einwanderung des Öls in tertiäre wie in mesozoische Speichergesteine unter Berücksichtigung besonders geeigneter geologischer Strukturen statt. Im Mitteloligozän kommt es zu einer großen Meerestransgression, bei der der ganze Rheintalgraben von Basel bis Mainz Senkungsraum wird. Am Schluß des Oberoligozän beginnt ein völliger Wechsel in dem tektonischen Geschehen. Die große savische Bewegungsphase bringt eine Umgestaltung. Das ganze Gebiet Basel-Mainz geht in eine Aufwärtsbewegung über, wobei es zur Landbildung kommt. Während zunächst eine allumfassende Hebung, die mit Bruchbildung verbunden ist, zu erkennen ist, ändert sich bald das Bild. Die alte Pfalzburg-Kraichgau-Senke tritt wieder in Aktion. Aber während im Obereozän und Unteroligozän sich nur in ihr und dem anschließenden südlichen Rheintal die starken senkenden Bewegungen vollziehen und das nördlich gelegene Gebiet in Ruhe verharrt, verlegt sich mit Beginn des Miozäns die Hauptsenke in das pfälzisch-hessische Rheingebiet. Im Bereich etwa zwischen Hagenau und Heidelberg überschneiden sich das alttertiäre und das untermiozäne Becken. Diese Senkung führt zur Bildung von 1300 m Untermiozän, 275 m Jungmiozän, 350 m Pliozän und bis zu 390 m Diluvium. In diesem Senkungsgebiet kam es im Untermiozän besonders in den tieferen Hydrobienschichten und in den Corbiculaschichten zu Bedingungen, bei denen wiederum mehrere hundert Meter starke bitumenreiche Erdölmuttergesteine entstanden, die auch zu einer Erdölbildung Veranlassung gaben unter gleichzeitiger Salzabscheidung bei Worms. Durch 12 Tiefbohrungen zwischen Worms-Nierstein-Eich und Heppenheim an der Bergstraße, die bis zu 2280 m hinabreichten, wurde die Ausdehnung dieser bituminösen Gesteine auf etwa einen Raum von 70 qkm erwiesen. Zugleich wurden geologische Strukturen erkannt, die produktive Erdöllager erhoffen lassen. Durch geophysikalische Untersuchungen muß vor Beginn neuer Bohrungen der Untergrund weiter geklärt werden.