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Über Granit und Sial

Fischer, Georg

Kurzfassung

Nach einer Umreißung der qualitativen und quantitativen mineralogischen Zusammensetzung der Granite und ihres Anteils an den Kontinentalschollen werden eine Reihe von Problemen der Granite herausgehoben und so weit möglich beantwortet: 1. Der Unterschied in der Verbreitung plutonischer und vulkanischer Massen von granitischem Chemismus: Bedingt durch Viskosität und bevorzugte Ortsstellung granitischer Massen in Orogenen. 2. Entstehungsort und Temperatur der großen Granitkörper: Unterrand der in Orogenen verdickten Sialwülste mit ungefähr 40 km Einsenkungstiefe und einer Temperatur von mehr als 770°. Hier ist abzuleiten, daß das Sial - in dem sich durch Temperaturerhöhung Migmatisierung und evtl. Remagmatisierung vollzieht - unterlagert wird von Sialsima, in dem gleichartige juvenile Schmelzreste vorhanden sein müssen. Druckentlastung wird nicht nur die resurgenten Schmelzlösungen aus dem Sial, sondern ebenso die flüssigen Anteile aus dem Sialsima mobilisieren und zum Anbau von stoffverwandtem juvenilem Material an das Sial führen. Solange die Temperatur in diesem Grenzbereich noch hoch genug ist, wächst der Kontinentalsodkel (im Tempo der oberflächlichen Abtragung und Hebung des Blockes) unten nach durch Anbau der "Batholithe", die großenteils juveniler Abstammung aus dem Sialsima sind. Die Unterschiede im Habitus der Granite in der Unter- und Oberkruste wird auf, ihre verschiedene Abkühlungsgeschichte zurückgeführt und darauf hingewiesen, daß die Abkühlung des Granits bei um so höheren Temperaturen arretiert wird, je tiefer der Körper liegt. Seine weitere thermische Geschichte wird ident mit derjenigen des Nebengesteins. Dies führt a) dazu, daß die Pneumatolyte zum größten Teil aus dem thermisch arretierten Körper in höhere Zonen abwandern, b) daß die Ummineralisierungen mit der verlangsamten allgemeinen Abkühlung bis zu niedrigeren Temperaturen wirksamer sind als bei den rasch "erfrorenen" Intrusionen höherer Stockwerke. Die Theorien der Granitbildung werden besprochen und betont, was bei den Graniten der höheren Stockwerke für echte magmatische Intrusion spricht die abgeleitet, daß diese Körper aus den Granitmassen der Unterkruste geliefert worden sind, und also mindestens teilverflüssigt gewesen sein müssen. Die Frage der pneumatolytischen Lagerstätten: Inhalt, Ortsstellung und genetischer Zusammenhang mit den Graniten wird besprochen und die Deutung solcher Lagerstätten als "der Granitisation vorauseilende Welle kleiner Ionen" abgelehnt, an Hand einer Reihe von Beispielen. Es wird weiterhin besprochen, welche physikalischen Zustände die Granite der Unterkruste durchlaufen haben. Das Abströmen der Granite in höhere Stockwerke und andererseits das Auftreten von Kugelgraniten, deren Kugeln mit den Ooiden der Sedimente parallelisiert werden, spricht dafür, daß auch diese Massen magmatische Zustände durchlaufen können. Ebendafür sprechen auch die Lamprophyre als Restdifferentiate.