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Beitrag zur Alttertiär-Stratigraphie

Schuh, Friedrich

Kurzfassung

Den Ausgangspunkt der Betrachtung bildete die Untersuchung des Gesteinsmaterials einer Tierbohrung im nordwestlichen Mecklenburg, bei der die ganze eozäne Schichtenfolge (315 m) gekernt worden war. Dieser Bohraufschluß konnte ein geschlossenes Bild des Sedimentationsverlaufes während fast der ganzen Eozänzeit vermitteln. Neben der Siebmethode zur Gewinnung von Proben für die mikroskopische Untersuchung wurde die Pipettiermethode der Korngrößenbestimmung verwandt, und gerade hierdurch wurden die Unterlagen zur Konstruktion von Kurven gewonnen, die den Verlauf der Sedimentation während dieser langen Zeitepoche eindeutig und anschaulich darstellen. Der aus den Kurven ersichtliche Sedimentationsverlauf ließ sich nun in klare Beziehung setzen einerseits zu der intraeozänen tektonischen Phase im jüngeren Untereozän und der pyrenäischen Orogenese im Obereozän, außerdem aber auch zur lutetischen Transgression am Anfang des Mitteleozäns und zur ludischen Transgression. So ergab sich die Möglichkeit der zeitlichen Gliederung der Schichtenfolge allein schon aus dem Verlauf der Sedimentation. Alle weiteren Befunde, besonders die der mikroskopischen Untersuchung (Mineral- und Faunenbestand) trugen zur weiteren Unterbauung bei. Ganz klar zeigte sich, daß bei uns in Nordwestdeutschland in mitteleozäner Zeit keine Sedimentationsunterbrechung angenommen werden darf, sondern daß im Gegenteil in dieser Zeit die Meerestiefe größer war als im oberen Untereozän und im Obereozän. Dieser Befund deckt sich mit von anderer Seite gewonnenen Untersuchungsresultaten. Auch für die klimatischen Verhältnisse auf dem benachbarten Festland, soweit sich diese in Verwitterungs- und Bodenbildungsprozessen widerspiegeln, konnten aus der marinen Sedimentation wichtige Anhaltspunkte gewonnen werden. Endlich zeigte Sedimentation und Fossilbestand, daß das nordwestdeutsche Eozänmeer von dem offenen Meer des Westens abgesondert gewesen sein muß und daß erst mit der obereozänen Ludien-Transgression eine direkte Verbindung entstand (Nummuliten im obersten Eozän bzw. Unteroligozän). Im ganzen dürften diese Untersuchungen dazu beitragen, den Anschluß an die internationale Alttertiärstratigraphie zu gewinnen und die früheren "zum Hausgebrauch geschaffenen" eozänen Gliederungsschemata von mir (Abteilung A bis G) und von Staesche (Untereozän 1 bis 4 und Obereozän) unnötig zu machen. Eine ausführliche Darstellung erscheint im Jahrbuch des Amtes für Bodenforschung.