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Der Aufbau der Erdkruste im nördlichen Alpenvorland

Hiller, W.

Kurzfassung

Nach einigen allgemeinen Ausführungen über die Verwendung von gravimetrischen und erdmagnetischen Beobachtungen zur Feststellung von regionalen oder lokalen Aufwölbungen oder Senken im tieferen Untergrund wurden die seismischen Beobachtungen besprochen, die uns in erster Linie Aufschluß über die Schichtung des tieferen Untergrunds geben. Die Methode, die die an den Schichtgrenzen (sprunghafte Änderung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit für elastische Wellen) gebrochenen und reflektierten elastischen Wellen verwendet, wurde in ihren wesentlichen Zügen erläutert. Als "Erreger" der elastischen Wellen kann man entweder natürliche Erdbeben oder künstliche Sprengungen benützen. Je größer die "Herdenergie" ist, um so größer ist die Reichweite der seismischen Wellen und um so größer ihre Eintauchtiefe, d.h. um so tiefer liegende. Schichten werden noch durchlaufen. Bei natürlichen Erdbeben ist die Energie im allgemeinen viel größer als bei künstlichen Sprengungen, so daß man mit den natürlichen seismischen Wellen in der Regel die ganze Erdkruste erfassen und ihre Schichtung ermitteln kann, wie dies seit A. MOHOROVICIC, der als erster im Jahre 1910 diesen Weg beschritten hat, vor allem in Europa, Japan und Nordamerika immer wieder geschehen ist. Bei Sprengungen muß die Ladung schon sehr groß sein, wenn die elastischen Wellen noch die Untergrenze der Erdkruste durchdringen sollen. So war die große Sprengung auf der Insel Helgoland am 18. April 1947, bei der rund 4000 Tonnen Sprengstoff zur Detonation kamen, die erste in Europa, bei der die Wellen, die auf ihrem Weg vom Sprengort zu den aufzeichnenden Stationen ein Stück weit unterhalb der Erdkruste gelaufen sind, noch einwandfrei beobachtet werden konnten. Auf der anderen Seite haben aber Sprengungen gegenüber natürlichen Erdbeben den großen Vorteil, daß man die Lage des "Herdes", die "Herdtiefe" und unter Umständen auch die "Herdzeit" genau kennt. So wurde z. B. für Süd- und Mitteldeutschland im Laufe der letzten 3 Jahrzehnte die Schichtung der Erdkruste wiederholt ermittelt, einerseits durch Benützung von natürlichen Erdbeben, deren Herd meist in Südwestdeutschland (Schwäbische Alb, Oberschwaben, Schwarzwald und Oberrheintal) lag, andererseits durch systematische Beobachtungen an Sprengungen aller Art, wie sie zuerst vom Göttinger Geophysikalischen Institut etwa um 1920 aufgenommen wurden. In den letzten Jahren gaben verschiedene größere Sprengungen bzw. Explosionen in Nord-, Mittel- und Süddeutschland (Helgoland, Soltau, Nordhausen, Kahla, Haslach im Schwarzwald, Rottenburg a. N., Isteiner Klotz, Prüm) Gelegenheit zu weiteren systematischen Beobachtungen, die uns Material für die Ermittlung der Schichtung der Erdkruste lieferten.