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Die Tektonik zwischen Osnabrück und Osning

Nienhaus, Fr.

Kurzfassung

Im Hüggelkomplex beginnt die tektonische Entwicklung mit Pressungen, in deren Verlauf die Scholle Silberberg-Großheide an allseitig geschlossener Störungsbahn als autochthone Klippe herausgedrückt wird (Zechsteinstreifen im N, hochgebogene und überkippte Schichten im S, glatte Überschiebungsbahn im Schurf Großheide). Der Fortgang der Pressungen führt zur Abscherung und SW-Vorschiebung der Heidberg-Jälerberg-Decke auf die autochthone Klippe. Zu gleicher Zeit vollziehen sich am Gesmoldsberg Stauchung, Überkippung und z. T. Überschiebung der Schichten. Darauf folgen zunächst in herzynischer Richtung Zerrungen, die die Heraushebung und Zerstückelung des Hüggelhorstes und das Absinken des Wilkenbachgrabens und einzelner Schollen am Gesmoldsberg verursachen. Schließlich zerstückeln Zerrungen in rheinischer bis eggischer Richtung das gesamte Gebiet des Hüggelkomplexes an zahlreichen normalen Verwerfungen und Blattverschiebungen. Auch im Gebiet der Osnabrücker Rundlinge beginnt die tektonische Entwicklung mit Pressungen in herzynischer Richtung, die sich in der Aufsattelung und in kleinen Überschiebungen auslösen. Nachträgliche Aufbeulung, vielleicht im Zusammenhang mit aufdringendem Zechsteinsalz, führt zu einer schwächeren Zerrung. Zuletzt zerstückeln rheinische bis erzgebirgische Zerrstörungen das ganze Gebiet in der Querrichtung. Der unterschiedliche Bau der beiden Teilgebiete zeigt sich besonders in Unterschieden der Störungsintensität. So treten im Westteil Schollenverschiebungen mit Sprunghöhen bis zu 1600 m auf, im Ostteil betragen diese nur wenige Meter. Den Überschiebungen, Abscherungen, der Horst- und Grabenbildung im Hüggelkomplex entsprechen südlich Osnabrück nur schwache Aufwölbungen. Dagegen sind Charakter und relative Altersfolge der Beanspruchungen in beiden Gebieten die gleichen; darin gibt sich ein übergeordneter Bauplan deutlich zu erkennen.