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Neues zur Osningtektonik

Lotze, Fr.

Kurzfassung

Um die in prächtigen Aufschlüssen beobachtbaren mannigfachen tektonischen Formen quantitativ zu erfassen, wurde eine "Kleinstratigraphie" des Turonpläners geschaffen, die die Einordnung jeder Bank der 230 m mächtigen Folge mit Dezimeter- bis Zentimetergenauigkeit erlaubt. Durchweg flach- bis steilherzynische Pressungselemente (Falten und oft deckenhaft flache Überschiebungen) sind kombiniert mit teils querenden, teils parallelen Zerrungssprüngen: diagonale (N-S und W-E streichende) Störungen erweisen sich als echte Blattverschiebungen; außerdem sind völlig schichtparallele, oft weit aushaltende und an besondere stratigraphische Niveaus geknüpfte Abscherungen vorhanden. Die zeitliche Analyse zeigt, daß die tektonische Verformung mit reiner Pressung begann. Die Ausweichbewegungen hatten zunächst keine ausgesprochene Vergenz und waren vielfach gegen NE gerichtet. Dann begann die Aufkippung der Kreideplatte; dabei nahm die Bewegung eine klare Südwest-Vergenz an, und es bildeten sich weit aushaltende flache Überschiebungen gegen die Westfälische Kreidemulde. Ein zeitlich scharf davon getrennter, späterer tektonischer Akt erzeugte die herzynisch streichenden Zerrungsstörungen. Die Abscherungen sind teils mit dem ersten, teils mit dem zweiten Akt verknüpft. Die Überschneidung der verschiedenen Elemente hat teilweise sehr komplizierte Formen entstehen lassen, die manche Parallele in der Osning-Großtektonik aufweisen.