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Historischer Überblick über die tektonische Forschung im Osning

Stille, Hans

Kurzfassung

Nach den grundlegenden stratigraphischen Forschungen F. RÖMERS und VON DECHENS gab E. SUESS eine erste tektonische Synthese. Er sah im Osning eine gegen Südwesten gerichtete Überschiebung mit steiler Aufrichtung und Überkippung der Schichten. STILLE erkannte zunächst, daß im Gegensatz zum eigentlichen Osning, wo im wesentlichen Konkordanz zwischen Kreide und älterem Mesozoikum besteht, die Dislokationen der südlich anschließenden Egge bereits vorkretazischen Alters sind. Der Osning erfuhr dabei die Deutung als ein die Westfälische Kreidemulde begleitender Sattel, dessen Südflügel hochgehoben, überkippt und überschoben ist. Ein Wandern der Faltung ergab sich schon aus dem Altersverhältnis zwischen Osning und Egge, insbesondere aber durch die Auffindung triadischer und jurassischer Gerölle im Serpulit von Bielefeld. Spätere Untersuchungen, so die Ergebnisse von Bohrungen in der Gegend von Wistinghausen, erwiesen eine deckenhaft flache Natur der Osning-Überschiebung wenigstens in diesem Raum, und in der Haßberg-Zone glaubte STILLE ein "Fenster" sehen zu dürfen. Nach LOTZE kommen Abscherungserscheinungen hinzu. Kleintektonische Methoden versprechen, die Bauverhältnisse und den tektonischen Mechanismus exakter aufzuklären.