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Gliederungsmöglichkeiten im niedersächsischen Pleistozän mit geschiebekundlichen Methoden

Richter, Konrad

Kurzfassung

Die obersten Bodenschichten des nördlichen Niedersachsen bestehen zum größten Teil aus Ablagerungen der Saale-Eiszeit, deren nordwestlichster Teil als Warthe-Stadium eine Sonderstellung einnimmt. Geschiebekundlich galten die Ablagerungen der Saale-Eiszeit ohne Warthe-Stadium bisher als sehr einheitlich aus Mittel- bis Südschweden stammend, während die Ablagerungen des Warthe-Stadiums mehr östliche Komponenten z. B. von den Ålandinseln enthalten. Rund 400 Aufsammlungen von Geschiebegemeinschaften aus einem etwa 5 Meßtischblätter hohen Streifen von der Ems nördlich Meppen bis zur Elbe bei Lauenburg erlauben eine Differenzierung in mindestens 6 verschiedene Eisströme. Die angewandte Methode der Aufsammlung von jeweils 150 bis 250 Steinen von Erbsen- bis Hühnereigröße aus möglichst kleiner Fläche verwertet in erster Linie Verhältniszahlen von Rapakiwi, Blauquarzgraniten, Oslokristallin, Schwarz-Weiß-Graniten, Dioriten (einschließlich Dioritschiefer, Diabasen, Gabbros und Basalten), roten und braunen Ostseeporphyren, Dalaporphyren, Leptiten (Hälleflinten), auch sedimentäre Geschiebe wie Dalasandstein, Tessinisandstein, durchscheinende und undurchscheinende Feuersteine zur Gesamtmenge des Kritallins der betreffenden Gemeinschaft. Auf diese Weise ist es möglich, einerseits ziemlich genaue Gletscherstromstriche im Herkunftsgebiet der Geschiebe zu konstruieren und andererseits auch spärliche Bohrproben noch mit auszuwerten. Mit dieser Methode ergaben sich bisher 6 deutlich getrennte Gletscherströme. Der älteste ist der Cloppenburger, der über Meppen weiter nach Süden zu reichen scheint und viel Gestein von den Ålandinseln enthält. Er wird im Westen vom Hümmling-Eisstrom randlich überlappt, der eine Geschiebegemeinschaft etwas westlicherer Herkunft aufweist. Der Eisstrom ostwärts von Cloppenburg führt über Syke hinziehend sehr viel westlicheres Material aus dem westlichen Mittelschweden und Schonen. Der nächste, in der Gegend von Verden (Aller) und Soltau vertretene kommt wieder mehr aus dem östlicheren Mittelschweden, während die des Warthe-Stadiums einmal im Kreis Harburg und der letzte bei Lüneburg-Lüchow jeweils noch weiter östliche Herkunft haben. Selbst die letzteren enthalten aber bei weitem keinen so hohen Rapakiwianteil wie der Cloppenburger Eisstrom.