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Baugrund-Untersuchungen im Ulmer Stadtgebiet

Groschopf, Paul

Kurzfassung

Durch das Zusammentreffen verschiedener geologischer Formationen ist der Untergrund in Ulm außerordentlich stark wechselnd. Rutschungen, Setzungen, durch den Untergrund bedingte Gebäudeschäden, Rohrbrüche u. a. haben schon seit langer Zeit dazu geführt, daß bei einigen städtischen Ämtern Angaben über den Untergrund, in erster Linie Bohrprofile, gesammelt wurden. Eine systematische Auswertung und Klärung der Bodenverhältnisse ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Ausgehend von diesem Material und auf Grund eigener Beobachtungen in Baugruben, Kanalisations- und Wasserleitungsgräben usw. wurden eine Bodenkarte und eine Baugrundtiefenkarte hergestellt. In der ersten wurden die Bodenarten der Oberfläche aufgenommen und der tiefere Untergrund durch Buchstabenprofile, ähnlich wie bei den bodenkundlichen Karten, gekennzeichnet. Die zweite Karte ist eine Isobathenkarte des tragfähigen Untergrunds, der im Neustadtgebiet bis 10 m unter der Oberfläche liegen kann. Als drittes wurde eine Karte gleicher Setzungsbereiche entworfen auf Grund von Veränderungen im Festpunktnetz der Stadt innerhalb von rund 30 Jahren. Diese betragen in Ausnahmefällen bis 50 cm (Söflingen), im oben erwähnten Gebiet durchschnittlich 8-10 cm. Die Übereinstimmung der 3 Arten kommt klar zum Ausdruck. Im Gebiet alluvialer Schichten (Kalksinter, Mudde) sind die tiefsten Gründungen notwendig, und hier wurden auch die größten Setzungsbeträge beobachtet. Es handelt sich um die alte Donaurinne, die in der Jung-Rißzeit noch mit sehr steilen Rändern, durch das heutige Stadtgebiet verlief. Die Fortsetzung der Rinne nach Osten ist nicht mehr vorhanden. In der Würmzeit wurde sie durch Periglazialschutt aus einem nördlich einmündenden Tal (Örlinger Tal) von der Alb her plombiert. Postglazial wurde nun diese blind endende Rinne durch die Blau aufgeschlickt, bis jene einen neuen Abfluß zur Donau fand. Geschiebezählungen, Pollenanalysen und vorgeschichtliche Funde ermöglichen die zeitliche Eingliederung. Über den Verlauf der Weiß-Jura-Oberfläche im Stadtgebiet konnten auf Grund von Bohrungen und Gründungsarbeiten (Rammpfähle) Anhaltspunkte gewonnen werden. Der steile Abbruch der massigen Kalke im Norden setzt sich unter Tag ebenso steil fort, bis in etwa 10 m Tiefe. Unter dem ganzen Stadtgebiet bis zur Donau liegt dann in dieser Tiefe eine leicht wellige Fläche plattiger Kalke, mit einzelnen Klüften. Für eine Streichkurvenkarte reichen die Beobachtungen noch nicht aus.