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Zur Entstehung der Münchener Ebene

Schaefer, I.

Kurzfassung

Die allgemein herrschende Lehrmeinung rührt von A. PENCK; Gegenüber der Iller-Lech-Platte im Westen und der Traun-Enns-Platte im Osten, wo die eiszeitlichen Talverschüttungen in langen Schottersträngen nebeneinander gestaffelt erhalten sind, lagern im Vorland des diluvialen Isargletschers die eiszeitlichen Schotter übereinander. So entstand durch Verschüttung von mehreren benachbarten Tälern und Beseitigung der trennenden Wasserscheiden schließlich die große Münchener Ebene. Die Ursache für diese abweichende Entwicklung vom sonst herrschenden Typ der eiszeitlichen Terrassenlandschaften des Alpenvorlandes liegt nach PENCK in der Verschiedenheit der Krustenbewegung: In Oberschwaben hob sich das Alpenvorland während des Eiszeitalters, in Oberbayern aber sank es. So fehlte hier die interglaziale Tiefenerosion und es mußte zur Übereinanderlagerung der fluvioglazialen Ablagerungen kommen. Der Vortragende legte zuerst an Hand von Längsprofilen verschiedener Talverschüttungen dar, daß aus diesem, an sich recht gewichtigen Argument (Übereinanderlagerung der Schotter) nicht immer dieser Schluß gezogen werden müsse. Zudem fehlen in der Münchener Ebene alle Ablagerungen, die in ein Senkungsfeld von solchen (vertikalen und horizontalen) Ausmaßen zusammengeschwemmt worden wären. Was vorhanden ist, sind nicht tektonisch, sondern allein diluvial-klimatisch (fluvio- und periglazial) verursachte Bildungen. Die Untersuchungen des Vortragenden über die diluviale Erosion und Akkumulation im Alpenvorland (Forschungen zur deutschen Landeskunde 49, Landshut 1950, 154 S., 38 Abb.) führten ihn auch hierin zu anderen Erkenntnissen: Die Münchener Ebene ist allein eine Ausräumungslandschaft. Warum gerade im Vorland des Isargletschers Ausräumung am Werke war und hier solche Beträge erzielte, lag, wie der Vortragende im einzelnen ausführte, an der besonderen Situation des Isargletschers und dann vor allem daran, daß von Kehlheim etwa in Richtung Vilsbiburg eine herzynisch streichende plio- und pleistozäne Aufwölbungszone liegt, die von der Isar antezedent gequert wird. Im Stau vor diesem so charakterisierten Moosburg-Landauer Talstück mußten die eiszeitlichen Gewässer vor allen Dingen in die Breite wirken. Gegenüber der genannten Schwelle stellt die Münchener Ebene eine relative Senkungszone dar, sie blieb ihr gegenüber in der Heraushebung etwas zurück. Die Ausweitung zur heutigen Ebene ist also keine primäre Folge dieser verringerten Hebung, sondern erst eine sekundäre, indem das eiszeitliche Kräftespiel, das sich vornehmlich in Einebnung, Abtragung und Ausräumung auswirkte, hier zwischen Isargletscher und der Landshuter Schwelle alle Bedingungen vorfand, sich frei zu entfalten.