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Stratigraphische Probleme im Diluvium des Alpenvorlandes

Graul

Kurzfassung

Die stratigraphischen Arbeiten der letzten 25 Jahre im Pleistozän des deutschen Alpenvorlandes ergaben eine reiche Unterteilung des PENCKschen Gliederungsschemas. Im großen und ganzen aber konnten die seinerzeit gefundenen stratigraphisch-morphologischen Gruppen bestätigt werden: 1. Niederterrassenschotter - Jungmoräne = letzte Eiszeit = Würm; 2. Hochterrassenschotter (+ Mittelterrassenschotter in der Schweiz) - Altmoräne = vorletzte Eiszeit = Riß; 3. Unterer Deckenschotter = drittletzte Eiszeit = Mindel; 4. Oberer Deckenschotter = viertletzte Eiszeit = Günz. Diese Gruppierung findet sich vor allem in der Schweiz, im Gebiet des ehemaligen Rheingletschers, in großen Teilen des Illergletschers, des Ammersee-Isar-, des Inn- und Salzachgletschers wie in Österreich. Die vornehmsten stratigraphischen Aufgaben sind heute: 1. Möglichst vollständige Untergliederung dieser 4 Hauptgruppen; 2. saubere stratigraphische Abgrenzung der Hauptgruppen untereinander; 3. Stratigraphie und Gruppierung der älter als günzzeitlichen (Donau-Eiszeit) Glazial- bzw. Fluvioglazialablagerungen des Vorlandes. Es hat sich eine sehr vielseitige Methodik entwickelt. Die wichtigsten Methoden sind: 1. Schichtlagerung, 2. paläontologisch + archäologisch, 3. glaziale Serie, 4. fossile Böden und Verwitterungshorizonte, 5. petrographische, 6. Verwitterungsgrad, 7. morphologisch, 8. Charakter der periglazialen Deckschichten, 9. regionale Tiefenerosion zwischen den Akkumulationsperioden. Von einzelnen stratigraphischen Problemen wurde näher behandelt die Frage nach der Untergliederung der Würmzeit in mehrere Stadiale. Selbständige Stadiale müßten im Vorland durch stratigraphisch erfaßbare, d.h. voneinander trennbare Schotterfluren nachgewiesen werden können. Tatsächlich gibt es aber nur an der Iller 2 verschiedene würmzeitliche Aufschüttungsfelder (I. SCHAEFER 1940). Dieser "unwiderlegliche Beweis" (KNAUER 1947) wurde zu widerlegen versucht. Der Unterschied der morphologischen Anlage und der Dynamik zwischen dem pleistozänen Rhein- und dem Illergletscher sollen die Ursache dafür sein, daß an der Grenze beider Gletscherbereiche 2 verschiedene würmzeitliche Schotterfluren ein und derselben Phase bestehen.