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Die Fortsetzung der Saarsenke in Hessen

Nöring, F.

Kurzfassung

Die Saarsenke im engeren Sinne, die im Süden von einer Kristallinschwelle begleitet wird, ist von der Westgrenze bis zur Ostgrenze Hessens zu verfolgen. Das Kristallin mit nördlich vorgelagertem Rotliegenden tritt im Odenwald, im Spessart, in einem isolierten Vorkommen bei Bieber und im nordwestlichen Thüringer Wald zutage. Zwischen Bieber und dem Thüringer Wald wurde es in Tiefbohrungen bei Hettenhausen und am Hundskopf nordöstlich Stadtlengsfeld erreicht. Die Nordgrenze des Rotliegendtroges ist durch das Rheinische Schiefergebirge und die Schiefergebirgsinseln von Ruhlkirchen, Baumbach und des Werra-Schiefergebirges gegeben. Hinzu tritt zwischen Rheinischem Schiefergebirge und Ruhlkirchen die Tiefbohrung Lehrbach. Das Rotliegende selbst ist außerhalb seiner oberflächlichen Verbreitung nördlich des Odenwaldes und nördlich des Spessarts, den Vorkommen von Bad Salzhausen und Rabertshausen, dem Richelsdorfer Gebirge und dem nordwestlichen Thüringer Wald durch eine Reihe von Tiefbohrungen auf Erdöl (im Oberrheintalgraben), auf Salz und Kupferschiefer (im Fulda- und Werragebiet) bekannt geworden. - An der Kreuzungsstelle der Mittelmeer-Mjösenzone mit dem Rheinischen Schiefergebirge schwankt die Achse der Senke von der erzgebirgischen Richtung in eine steiler nordöstliche um. - Die Fortsetzung der Saarsenke stellt praktisch den einzigen Raum in Hessen dar, wo das Vorkommen produktiven Oberkarbons nicht ausgeschlossen ist. Die Annahme KÜHNES (1923), das Unterrotliegende, erst recht das Oberkarbon, erreiche von SW her nicht die Wetterau, ist durch den sicheren Nachweis von Unterrotliegendem mittels einer 370 m tiefen Bohrung, die in den Jahren 1948/49 in Altenstadt ausgeführt wurde, widerlegt. Die Bohrung steht wahrscheinlich in ihrer gesamten Mächtigkeit in kaum geneigtem Unterrotliegendem. - Stärkere saalische Bewegungen werden wahrscheinlich gemacht, da in 7 km Entfernung von der genannten Bohrung einwandfreies Oberrotliegendes auf gefaltetes Gebirge, vermutlich Kulm, transgrediert. Ähnliche Verhältnisse werden im Richelsdorfer Gebirge angedeutet, wo bei Nentershausen eine 1861 begonnene Bohrung in 1043 m Tiefe eine Schichtenfolge mit möglicherweise oberkarbonischen Kohlensandsteinen erschrotete, während etwa 5 km davon entfernt bei Iba eine Bohrung vom Zechstein in quarzitisch-phyllitische Grauwackenschiefer geriet. Für die Praxis ergibt sich daraus die Vorstellung, daß innerhalb der Rotliegendsenke schmale Spezialsenken mit älteren Ablagerungen vorhanden sein mögen.