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Über Hyporheon und Bathyrheon

Kraus, E.

Kurzfassung

Man betrachte einmal die Hauptstrukturen der Kaledoniden Norwegens, der böhmischen Barrandium-Mulde, der Vogesen, der NE-Moldanubischen Masse, der Münchberger Gneismasse sowie Strukturen von jüngeren Gebirgen: Keltiberien, West- und Mittelpyrenäen, Nordalpen, Westalpen-Apennin bei Genua, Korsika-Nordapennin, Betische Kordillere-Atlas, Elburs. Durchweg besitzen solche Orogenprofile zweiseitige Vergenz oben gegen außen, dem Schema nach also den Bau wie in Abb. 1. Auf Besonderheiten kann hingewiesen werden für die Karpaten, deren durch die Vergenzen geschiedener Narbenscheitel in der Kreide südlicher, im Tertiär nördlicher lag, weshalb die zunächst nordvergenten, danach südvergent werdenden Pieniden ihre eigenartige Struktur erhielten. Nahe beieinander liegende Orogene zeigen Verkümmerung der gegeneinander gerichteten Nachbarvergenzen, so zwischen Nevadiden und Kordilleren oder zwischen Nordalpen- und Südalpenorogen. D. GRIGGS führte auf Grund von Experimenten mit Konvektionsströmen über erwärmter Unterlage (Abb. 2) die orogenbildenden Stromantriebe naheliegenderweise zurück auf Abkühlungskonvektion. Man kann annehmen, daß unsere geosynklinalen Senkungszonen mit ihrer zweiseitig auswärts gerichteten Struktur und medianen Gebirgsstauung über einem Absenkungsstrom entstehen, dessen anderswo emporsteigender Stromast große Zerrungen, Grabeneinbrüche und Magmaauftriebe erzeugt. Das subkrustale Fließstockwerk, in dem solche Stromwalzen mit waagrechter Achse tätig sind, wurde als "Hyporheon", als das "unten Fließende", bezeichnet. Abb. 3 bringt als Beispiel den variszischen Hyporheon-Rost im Profil. Aber die alpine Baugeschichte erwies, daß außer diesen Senkstromtendenzen über orogenen Narben noch andere Energien ansetzen. Sie sind übermächtig und greifen mit einheitlichem und erstaunlich hartnäckigem Antriebsstreben weit hinaus über einen geosynklinalen Einzelraum und auch zeitlich hinweg über die Entwicklungsstadien seines Orogenzyklus.