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Molasse und Alpen

Richter, Max

Kurzfassung

Der zwischen Jura und Alpen gelegene Molassetrog zeigt von Norden nach Süden eine stetige Mächtigkeitszunahme der oligozänen und miozänen Sedimente, die vor dem nördlichen Alpenrand ihre größte Mächtigkeit von 4000 bis 6000 m erreichen. Aber am Alpenrand ist die Molasse tektonisch amputiert und verstümmelt und gibt daher besondere Probleme auf, die Molasse und Alpen zugleich betreffen. Den vom Genfer See bis zum Lech zum größten Teil terrestrisch-limnischen Serien sind an der Basis im Rupel und zu Beginn des oberen Drittels im Burdigal-Helvet marine bzw. brackische Schichtfolgen eingeschaltet, die man früher als untere und obere Meeresmolasse bezeichnet hat, von denen aber die obere, vor allem im Deltagebiet, bei rascher Aufschüttung vielfach terrestrische Einschaltungen enthält. Vom Lech ab nach Osten nimmt der brackische bzw. marine Charakter mehr und mehr zu, um schließlich vorherrschend zu werden. Die interessantesten Gebiete dieses Überganges liegen im Verzahnungsbereich östlicher und, westlicher Molasse, also im östlichen Allgäu und im westlichen Oberbayern. Hier lag auch der Ausgangspunkt zu einer einheitlichen Stratigraphie von Westen nach Osten, die ich zum erstenmal 1940 dargestellt habe. Ganz im Südwesten gibt es in der Molasse rouge und im oberen Chatt am Genfer See brackische Lagen, die Meeresvorstöße können hier nur aus dem Südwesten gekommen sein. Die älteste Molasse ist nur im Süden vorhanden, da zu Beginn der Trogbildung die Vortiefe nur wenig weit nach Norden reichte. Erst im obersten Rupel greift sie stärker nach Norden vor. Infolgedessen schließt sich der älteste Trog in seiner Lage und Sedimentation eng an den autochthonen Flyschtrog an (vgl. unten), so daß die Molasse mit Flyschfazies beginnt. Deutenhausener Schichten und Tonmergelstufe gehören noch der Flyschfazies an und wurden an vielen Stellen früher daher auch für Flysch gehalten. Sie setzen die Flyschfazies in die Molasse hinein fort. Trotzdem gibt es schon gelegentlich wenige grobe Nagelfluhbänke in den Deutenhausener Schichten beiderseits vom Lech und kleine Geröllinsen in der Tonmergelstufe.