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Untersuchungen im Flyschgebiet von Tölz (Oberbayern)

Schmidt-Thomé, Paul

Kurzfassung

Das Flyschgebiet von Tölz nimmt einen Teil des Blattes Tegernsee der Karte 1:100 000 von Deutschland ein, dessen Neukartierung im Sommer 1950 abgeschlossen wurde. Dieses letzte größere, bisher noch nicht genauer kartierte Flyschgebiet am bayerischen Alpenrand liegt in der Mitte zwischen dem geologisch gut bekannten Flysch des Allgäus (KRAUS 1932; CUSTODIS & SCHMIDT-THOMÉ 1939) und des östlichen Oberbayerns (SCHMIDT-THOMÉ 1939). Bereits bei der Untersuchung der östlich von Tölz anschließenden Zone des Tegernsee-Schlierseer Flyschs (RICHTER, CUSTODIS, NIEDERMAYER, SCHMIDT-THOMÉ 1939) hatte sich herausgestellt, daß die Verhältnisse zwischen West und Ost zwar große Ähnlichkeiten, aber auch Verschiedenheiten, besonders tektonischer Art, aufweisen. BODEN (1925) veröffentlichte eine Karte des Flyschs zwischen Loisach und Tölz, die als einer der ersten Versuche, den Flysch überhaupt zu gliedern, zweifellos ein Verdienst war. In großen Zügen wurde bereits die Verbreitung der beiden wichtigsten Flyschserien: Zementmergel und Sandsteine, erkannt. M. RICHTER (1933) und KRAUS (1942) beschrieben ebenfalls einzelne Profile aus dem Tölzer Flysch. Aber Schichtenaufbau und Tektonik des Gesamtgebietes blieben noch unbekannt. Es galt zu prüfen, ob tatsächlich beträchtlichere Gegensätze zwischen Allgäu und Oberbayern vorhanden sind, wie es zunächst zu sein schien: im Westen ein Schichtenaufbau vom Neokom bis in die oberste Kreide und eine Aufgliederung in zwei bzw. drei (dann noch mit Paleozän) Teildecken; im Osten eine einheitliche, einfach gebaute Flyschzone, in welcher der Anteil an jungen Gesteinen, je weiter nach Osten, desto größer wird. Die Gliederungs- und Kartierungsschwierigkeiten im Flysch sind bekannt: schlechte Aufschlüsse; Fehlen von Makrofossilien mit wenigen Ausnahmen; bisher weitgehendes Versagen mikropaläontologischer Gliederungsversuche, mit Ausnahme der ältesten und jüngsten Flyschserien, die aber beide flächenmäßig ganz zurücktreten. Immer noch sind wir daher auf lithologische Merkmale bei der Kartierung der Flyschgesteine angewiesen. Es hat sich aber gezeigt, daß die von KRAUS und RICHTER und von dessen Schülern aufgestellte Flyschgliederung sich als brauchbar und im wesentlichen als richtig erwiesen hat. Wir stehen immer noch vor manchem ungelösten Problem, wenn wir nach den Bildungsbedingungen der Flyschablagerungen fragen. Denn gleichzeitig mit der Ablagerung der Flyschsedimente kamen in den Nachbargebieten andersartige, fossilführende Schichten zur Ablagerung. Das Sedimentationsgebiet des Flyschs bildete einen Vortrog bzw. Zwischentrog zwischen der ostalpinen Geosynklinale im Süden und den helvetisch-germanischen Faziesgebieten im Norden. Die Stellung zum Penninikum soll hier nicht weiter berührt werden.