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Zur Baugeschichte des Alpenvorlandes

Kraus, E.

Kurzfassung

Das vielbesuchte Alpenvorland verdankt seinen Reiz der Spannung zwischen der Gewalt des Gebirges und der freien Gelöstheit seiner flachwelligen Weite. Solche Verknüpfung mit dem älteren Gebirge, das jungtertiär höher und höher emporwuchs, mit der gleichzeitig vor ihm absinkenden Vortiefe begründet auch die ganze Baugeschichte dieses Erdraumes. Unsere nordalpine Vortiefe sank zwischen zwei sehr abweichenden Erdrindenteilen: Den Nordrahmen bildet das Schichtstufenland des Schwäbischfränkischen Jura, flankiert im W durch die junge Aufwölbung des Schwarzwaldes, im Osten durch die etwas früher emporgestiegene Böhmische Masse. Während Kreide und Tertiär-Quartär wurde dieser Nordrahmen nur flach verbogen und von Verwerfungen durchspalten; dies nicht allein an den stärker gestörten Horsträndern. Bekannt ist der im Mesozoikum und Alttertiär mit gewaltig wachsender Horizontaleinengung geosynklinal, also alpinotyp, bewegte alpine Südrahmen unserer Vortiefe. Dessen Deckenschubweiten wachsen beträchtlich von der österreichischen Vortiefenenge an über Südbayern gegen die Schweiz. Nordrahmen und Alpen zeigen ein merkwürdiges Nebeneinander nicht zusammengehöriger Teile! Unsere modernen Auffassungen vom alpinen Geschehen drängen immer mehr zu dem Gedanken: im Untergrund haben sehr starke Geoplasmamassen durch langsames, südwärtiges Abströmen den subgeosynklinalen Baum derart vermindert, daß die hangende Geosynklinalfüllung sich unter mächtigem Anstau auf den Bodenentzug unter ihr orogen einstellen mußte. Dabei unterschob sich das nördliche Vorland absinkend dem Gebirge. Im Zusammenhang mit solchen Deutungsversuchen interessiert uns natürlich die Frage, welche baugeschichtlichen Tatsachen aus der neogen abgesunkenen Nordalpenvortiefe zwischen jenen grundverschiedenen Nachbarn im N und S abzuleiten sind. Bohrungen der letzten Jahrzehnte in Oberösterreich, Ober- und Niederbayern, Schwaben und Württemberg-Baden, auch geophysikalische Untersuchungen in wachsender Zahl, sowie weiter im S die Aufschlüsse der Pechkohlenbergwerke neben den Aufschlüssen der subalpin bis 1800 m hoch entblößten Molassealpen haben uns viel gelehrt.