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Sind die Mittleren Freiburger Voralpen (Préalpes Médianes) unterostalpin?

Schnittmann, F. X.

Kurzfassung

I. Einleitung Max RICHTER schreibt in seiner Arbeit: "Die Entwicklung der Anschauungen über den Bau der Deutschen Alpen" (Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1948, Bd. 100, S. 343): "Die Deckentheorie stieß nicht nur in den Ostalpen, sondern auch ganz besonders in den Deutschen Alpen auf größten Widerstand. Es erklärt sich das daraus, daß in den Ostalpen nirgendwo so klare tektonische Verhältnisse herrschen wie etwa in den Glarner oder in den Freiburger Alpen oder wie an der Grenze der Ostalpen gegen die Westalpen." Max RICHTER scheint also der Meinung zu sein, daß die Reihenfolge der Überlagerung bei den helvetischen, penninischen und unterostalpinen Decken der Schweiz für die Schweizer Geologen keine Probleme mehr biete, sondern daß dort die einschlägigen Fragen so gut wie vollkommen gelöst seien, während gerade im ostalpinen Gebiete noch viele Fragen einer befriedigenden Lösung harrten. Diese Beurteilung der Verhältnisse in den Westalpen erscheint mir zu optimistisch; denn auch die Schweizer Geologen sehen immer mehr ein, daß man die Geologie der Schweizer Alpen nicht so ohne weiteres in das scheinbar so einfache und klare Schema M. BERTRANDS, M. LUGEONS und H. SCHARDTS hineinpressen kann, wie man das ein Menschenalter lang glaubte. Ein solch schwieriges Problem ist die Stellung der Mittleren Freiburger Voralpen innerhalb der Reihenfolge der Schweizer Deckfalten. Im folgenden soll versucht werden, auf Grund der neuen Ergebnisse der dem Verfasser bekannten und befreundeten Geologen der Westschweiz eine Lösung zu finden. II. Geographisch-geologische Übersicht 1. Die Stadt Freiburg in der Schweiz liegt auf der miozänen Molasse des Schweizer Mittellandes, die im S von der subalpinen Molasse überschoben ist. N der Überschiebungslinie bildet die miozäne Molasse einen deutlich erkennbaren Sattel mit steilem Süd- und sehr flachem Nordschenkel. In der Landschaft fallen als Molasseberge auf: der Mont Gibloux (1212) im Westen und der Nagelfluhkegel des Guggisberges (1116) im Osten.