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Zum Bau der Grazer Decken

Boigk, Heinz

Kurzfassung

I. Einleitung Derzeitige Kenntnis vom Bauplan der Grazer Decken Die vorliegende Arbeit stellt das Ergebnis von Untersuchungen dar, die in den Jahren 1938/39 durchgeführt wurden und in den Wintermonaten 1940/41 zum Abschluß kamen. Nach den Ergebnissen der Arbeiten von HERITSCH, SCHWINNER u. a., die CLAR 1935 für die östlich der Mur gelegenen Gebiete zu einem einheitlichen Bilde zusammengefaßt hat, stellt sich der Deckenbau des Grazer Paläozoikums kurz in folgender Weise dar: Die Basis und zugleich den Rahmen des Grazer Deckensystems bildet das Muralpen- und Koralpenkristallin. Ihm liegen im Osten Phyllite auf. Über diese und das Kristallin greift die unterste paläozoische Deckeneinheit, die Schöcklkalkdecke, hinweg, die sich aus stark metamorphen Devonkalken zusammensetzt. An ihrer Basis liegt eine "Grenzzone", die aus älterdevonischen Gliedern besteht und einen ausgezeichneten Bewegungshorizont gegen die phyllitische oder kristalline Unterlage darstellt. Eine ähnliche Folge ist in den hangenden "Übergangsschichten" entwickelt. Diese leiten zu den mehr oder weniger phyllitischen Taschenschiefern über, in denen Silur nachgewiesen wurde und die als tektonische Wiederholung der liegenden Phyllite gedeutet werden. Das zu kristallinem Schöcklkalk umgeformte Devon wird daher als der weit vorgeschobene Kern einer Mulde angesehen, während Phyllite und Taschenschiefer den hangenden und liegenden Schenkel bilden sollen, an denen weitgehend Abscherung stattgefunden hat. Diese Vorstellung schließt nicht aus daß sich in den liegenden Phylliten auch vorpaläozoische Glieder verbergen. Die Schöcklkalkdecke, die ihre Hauptverbreitung im südöstlichen Teil des Grazer Beckens hat, findet in den devonischen Bänderkalken und Kalkschiefern am Südabfall der Hochlantschgruppe ihre unmittelbare Fortsetzung nach Norden In gleicher tektonischer Lage über Phylliten liegen dort bändrige Kalke und Kalkschiefer, die in Metamorphose und Fazies zum Schöcklkalk vermitteln. An ihrer Basis treten am Nordabfall des Hochlantsch eine Reihe von Schuppen ("Stockwerke") aus devonischen Kalkschiefern, Karbon- und Silurgliedern auf