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Zum Problem des Karpatenflysches (Bukowiec)

Ganss, O.; Hiltermann, H.

Kurzfassung

Die den Alpen-Karpaten-Bogen an seinem Außenrand begleitenden unterkretazischen bis oligozänen Flyschgesteine haben ob ihrer Fossilführung manches strittige Problem aufgeworfen. Die meisten Beobachter sehen in den Flyschgesteinen fast völlig fossilleere Sedimente, wobei die Fossillosigkeit einerseits als primär und andererseits als sekundär aufgefaßt wird. Was die Megafossilien betrifft, so sind trotz der jahrzehntelangen geologischen Arbeiten in den galizischen Karpaten, abgesehen von stratigraphisch kaum brauchbaren Einzelfunden, bisher relativ wenig reichere Fundstellen bekannt geworden. Diese Fossilarmut des Flysches gilt aber nicht für die Mikrofossilien, wie u. a. schon J. G. R. GRZYBOWSKI (1895-1901) zeigen konnte. Die 1939 von H. HILTERMANN begonnenen mikrostratigraphischen Flyscharbeiten (s. H. HILTERMANN 1940 und 1943) ergaben, daß z. B. im Eozän und in der Oberkreide in fast allen Stufen Mikrofaunen vorhanden sind, die schon jetzt entscheidende stratigraphische Anhaltspunkte gegeben haben. Wir sind überzeugt, daß weitere systematische mikropaläontologische Profiluntersuchungen noch viele stratigraphische und tektonische Probleme auch des Flysches lösen werden. Um die schon innerhalb der öl- und Gasgebiete des Karpatenflysches auf Grund der Mikrofauna sicher parallelisierbaren Sedimentfolgen mit den häufig faziell abweichenden Megafossil-Fundstellen vergleichen und in die allgemeine Stratigraphie "einhängen" zu können, sollen diese Fundstellen besonders auf diese Fragestellung hin bearbeitet werden. So wurde von uns am 21. Mai 1942 die von W. ROGALA 1926 entdeckte karpatische Flyschfundstelle Bukowiec besucht, deren Lage aus der Karte (Abb. 1) hervorgeht. Trotz des damals durch Böschungsschutt ungünstig erschlossenen Ufers gelang es uns, an den wichtigsten Stellen das Anstehende freizulegen und eine Reihe von Proben für die mikropaläontologische Untersuchung zu entnehmen.